Istanbul (Türkei)


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Istanbul Kachel

Dieses Mal geht unsere Reise nach Istanbul. Die Metropole lockt uns schon länger. Ich finde Städte mit Bezug zur Geschichte immer faszinierend. Die günstige und guten Flüge von München nach Istanbul mit Turkish Airlines ließen und den Plan dann auch in die Tat umsetzen. Wir haben in Istanbul sehr viel erlebt, von Krankheit, Basar-Shoppingtouren, Bier trinken mit einem Einheimischen bis zu diversen Polizeikontrollen, aber lest selbst …

Montag – 28. April 2014

Abflug in München. Im Flugzeug sind wir neben einem Typen gesessen, der zum Hochseefischen nach Kenia weiterfliegt, das stelle ich mir auch als Abenteuer vor. Ankunft in Istanbul leicht verspätet. Dann handgestoppte 1:05 Stunden für die Passkontrolle angestanden. Auf Grund der langen Wartezeit war unser Flug für die Gepäckabholung nicht mehr angeschrieben. Nach mehrmaligem Nachfragen und Suchen haben wir unser Gepäck dann neben einem der Bänder gefunden, somit war der Start schon etwas holprig, aber davon lassen wir uns niemals entmutigen.

Eine Istanbulcard ohne türkisch Kenntnisse zu kaufen, ist schon eine kleine Herausforderung. Nach erfolgreichem Kauf sind wir dann mit Metro, Bus und Zug ca. 1,5 Stunden bis zum Taksim Platz gefahren. Dort zur Begrüßung gleich mal 2 Simit (= Sesamkringel) für ca. 0,66 Euro gekauft. Haben uns gut geschmeckt und waren nahrhaft. Unser Hotel war sehr ordentlich, alles schön dort, kein Grund zur Beanstandung. Nach einer Verschnaufpause und Frischmachen sind wir die İstiklal Caddesi durchgelaufen, eine sehr große Einkaufsstraße. Tolles Flair dort, die Atmosphäre zum Aufsaugen, das liebe ich am Reisen! Wenn man sagt, es gibt Dönerläden an jeder Ecke, dann trifft dies hier zu 100% zu. An so einer Straße neben dem Taksim Platz gibt’s sicherlich 10 Dönerbuden komplett nebeneinander!

Gegessen haben wir dann in einem beliebigen Pub. Portionen waren etwas klein, lag aber vielleicht am Pub. Jedenfalls war der Preis super. 14 Euro für 2 Essen, 2 Bier, gratis Oliven mit Brot und gratis Popcorn.

Nach dem Essen sind wir noch durch die Gegend geschlendert. Die Menschen hier in Istanbul machen einen offenen Eindruck und die Bevölkerung ist mit einem Durchschnittsalter von ca. 30 Jahren auch sehr jung. Angenehm für uns. Hier gibt’s vermutlich alles zu kaufen, obwohl wir noch gar nicht auf dem großen Basar waren. Heute sind wir dann beide relativ früh ins Bett, da uns die Anreise doch etwas geschlaucht hat. Vielleicht auch ein bisschen Reizüberflutung. 🙂

Dienstag – 29. April 2014

Oh je, der Tag beginnt mit einer Hiobsbotschaft. Daniel ist krank und klagt über diverse Beschwerden. Zum Frühstück zwinge ich ihn aber trotzdem. Erst mal nimmt er eine Schmerztablette, da wir sonst auch gar nichts dabei haben. Frühstück gibt’s im Hotel im 7. Stock, dem Rooftop. Prima Aussicht! Die Stadt Istanbul ist so riesig, man sieht selbst am entferntesten Stückchen Horizont nur Häuser. Lässt man den Blick langsam schweifen, fallen einem die unzähligen Minarette auf. Sieht super aus. Das Frühstück an sich ist vollkommen ok, aber reißt niemandem vom Hocker, dafür aber die Aussicht. 🙂

Wir teilen uns anschließend auf. Daniel ins Bett, ich zum Bus. Ich kaufe mir ein Ticket für eine Stadtrundfahrt. Dies ist zwar relativ teuer, aber ich möchte einen Überblick über Istanbul haben. Die Fahrt dauert 2 Stunden, also eine komplette Runde und dies sind die angefahrenen Haltestellen:

– Taksim Platz

– Hard Rock Cafe: Dies liegt im Bankenviertel und bei der britischen Botschaft.

– Über die Atatürk Brücke geht’s ins alte Istanbul.

– Ägyptischer Gewürz Basar: Den schauen wir uns garantiert noch aus der Nähe an!

– Sultanahmet Platz: Dort steht die Blaue Moschee, Hagia Sophia und der Topkapi Palast, ich komme wieder!

– Galata Brücke: Die Neue Moschee steht hier und viele Schiffstouren beginnen hier.

– Über die Brücke geht es zurück in das moderne Istanbul.

– Tophane: Die Nationalgalerie kann hier bestaunt werden. Wird wohl ausgelassen.

– Hafen: Anlegeplatz für Kreuzfahrtschiffe und von der Bedeutung für die Schifffahrt ein enorm bedeutender Punkt.

– Dolmabahce: Dort kann die bekannte Dolmabahce Moschee, der zugehörige Palast und Glockenturm besichtigt werden. Außerdem das Besiktas Stadion.

– Ein kurzer Abstecher nach Asien! Istanbul ist weltweit die einzige Stadt, die zwei Kontinente umfasst. Über die Bosphorus Brücke kann man schnell die beiden Erdteile wechseln. Großartig! Der einzige Stopp auf der Asienseite nennt sich Beylerbeyi Palast. Aber nach Asien kommen wir vermutlich nochmal, zu diesem Palast wohl eher nicht.

– Back to Europe. Nach ein paar weiteren Minuten erreiche ich den Taksim Platz wieder und hop off. 🙂

Erst mal nach Daniel schauen. Vorher noch Simit und Cola kaufen. Wirklich besser geht es ihm noch nicht, blöd. Also auf zur Apotheke, und ein Grippemittel besorgt. Der Apotheker rät mir noch zu Vitamin Tabletten. Beides kostet zusammen knapp 9 Euro. Daniel nimmt beides und ich probier die Vitamine sicherheitshalber auch mal.

Ich mach mich wieder davon und lass den armen Kerl schlafen. Nachdem es den ganzen Tag bewölkt war, klart der Himmel jetzt auf und die Sonne kommt heraus, herrlich! Voller Vergnügsamkeit lauf ich die İstiklal Caddesi wieder durch und besichtige die katholische St. Antoine Kirche. Dort zünde ich natürlich eine Kerze für meinen Patient an. Die Kirche hat wunderbare bunte Fenster. Dieses Farbenspiel mit dem bunten Glas fasziniert mich sowieso jedes Mal!

Der Spaziergang geht weiter bis zum Galata-Tower. Dieser Aussichtspunkt soll einen tollen Blick über Istanbul bieten, aber das machen wir dann zu zweit hoffentlich. Ich laufe durch tolle Gassen mit unzähligen „Geschäften“ und Essensmöglichkeiten. Faszinierend, anders, unlogisch, aber einfach schön! Ich laufe bis zum Hafen und es ist wunderbar. Der Duft des Meeres liegt in der Luft, frisches Essen wird überall zubereitet, jemand will mir eine Packung Tempos verkaufen und ich sehe zwei verschiedene Kontinente. Die Menschen angeln, Schiffe kommen und gehen, es herrscht reges Treiben.

Auf dem Rückweg muss ich etliche Höhenmeter zurücklegen und durchquere ein paar kleine Gassen. Daniel schimpft mich später dafür. Hat ja irgendwie recht. Ich hol ihn jetzt mal raus aus dem Bett und wir setzen uns beim Taksim Platz ins Gras und genießen die Sonne. Es tut ihm sichtbar gut. Anschließend lad ich ihn zu einem Kaffee bzw. Tee ein. Ich bestell einen türkischen Kaffee „with matic“. Auf die Frage was den matic sei, deutet der Kellner auf so einen Kuchen. Ok, probier ich einfach mal. Nachdem dann nur ein Kaffee kam, musste er wohl irgendwie süß sein. Aber er war stark, sehr stark. Ich trank trotzdem und irgendwann schmeckte er eigentlich auch gut. Am Ende waren wohl noch zwei Teelöffel Satz in der Tasse. Das Matic-Rätsel löste ich mit meiner Wörterbuch App auch noch. Ich trank also Kaffee mit einem Zusatz einer besonderen Pistazien Art. So so, der feine Herr. 🙂

Nachdem ich Daniel ins Hotel gebracht und mich kurz frisch gemacht habe, gehe ich wieder auf die Jagd nach Nahrung. Wie viel Zeit im Leben mit Essen bzw dessen Zubereitung verbracht wird… Beim Schlendern durch die İstiklal Caddesi spricht mich plötzlich ein Typ auf Türkisch an. Kein Händler, sondern ein normaler Typ, der wohl Feuer braucht. Ich sag trotzdem, dass ich nur englisch spreche und schon hängt er mir ein Gespräch auf. Wir laufen fünf Minuten in dieselbe Richtung, er spricht gutes Englisch und ist sehr freundlich, trotzdem check ich „unbewusst“ öfters meine Taschen, ob meine Wertsachen noch da sind. Scheiss Vorurteile! Sein Name ist übrigens Ali. 🙂 Jedenfalls gehen wir gemeinsam ein Bier trinken und er zeigt mir eine tolle Seitengasse, in der lauter Restaurants sind. Kannte ich noch nicht. Ali ist Ingenieur, arbeitet normal in Dubai, wohnt in Ankara und ist jetzt geschäftlich in Istanbul. Deswegen hat er abends auch nichts zu tun, möchte mit mir noch um die Häuser ziehen, mit mir Fußball anschauen oder einfach noch in eine andere Kneipe gehen. Das schönste daran, ich glaube er meint es wirklich ernst! Das Gespräch ist interessant und wegen solchen Situationen bin ich doch hier. Ich muss mich danach aber von Ali verabschieden, da ich Daniel nicht den ganzen Abend alleine lassen werde. Vielleicht treffen wir uns ja wieder, sagt Ali. Ich bezweifle zwar, dass ich ihn in der grossen Masse überhaupt erkennen würde, aber ich bin dankbar für das Treffen. Anschließend checke ich nochmals meine Taschen, alles noch da! Vorurteil besiegt, ole!

Ich gehe Richtung Hotel und suche mir noch ein hübsches Restaurant. Dort esse ich lecker zu Abend und bestell für Daniel was zum Mitnehmen. Wirklich viel isst er davon später nicht. Im TV auf dem Zimmer bekommen wir nur ZDF als deutschen Sender rein, aber das reicht ja für den Champions Legaue Abend. Oh je, oh je, das Spiel ist schnell erzählt. Klatsche, Debakel, Enttäuschung, 0:4! In der Halbzeit hol ich im Rooftop noch einen Kräutertee. Nach dem Spiel gehts ins Bett, gute Nacht und gute Besserung.

Mittwoch – 30. April 2014

Neuer Tag, neues Glück? Naja, Daniel geht es immer noch nicht wirklich besser und so beschließen wir heute härtere Geschütze aufzufahren und ich mach mich nochmal auf zur Apotheke. Leider noch geschlossen. Also erst mal frühstücken. Das Rooftop muss uns diesmal vor den Tropfen von oben schützen. Mir schmeckts, ist ein türkisch angehauchtes Frühstück mit Feta, frischem Gemüse, türkischem Tee und Kaffee.

Danach geht’s nochmal zur Apotheke und ich versuchs mit Antiobiotika. Kein Problem, dazu gibts andere Vitamine. Kostet genausoviel wie am Tag zuvor. Während der arme Daniel dann anschließend das Zimmer bewacht, erkunde ich für uns beide die Stadt Istanbul.

Los gehts zu Fuss durch die Stadt zur Dolmabahce. Dort gibts den Palast, den Uhrenturm und die Moschee zu bestaunen. Es regnet stark. Da ich mir noch eine andere Moschee anschauen möchte, gehe ich direkt zum Palast. Der Eintritt ist relativ teuer. Vor dem Einlass muss man noch so OP Überschuhe anziehen, dann gehts als Gruppe zur Führung. Das Gebäude ist im Erdgeschoss sehr unspektakulär, also will es eigentlich schon sein, aber es betrügt. An der Decke sind feine Bordüren und Verziehrungen angebracht, aber weder geschnitzt oder graviert, nein, alles nur aufgemalt. Auf dem ersten Blick nett, aber kein Flair. Der Palast wurde früher schon während der Monarchie und später im Zeiten der Republik ebenfalls vom Sultan benutzt. Vorallem für Staatsempfänge und Feste. Die Führung ist noch eher lau. Ich erinnere mich an die Audio Guide Tour im Buckingham Palace, bei der man mit prunkvoller Musik die königliche Treppe im eigenen Tempo hinauf marschiert – das war majestätisch! Aber ich schweife ab. Die Führung geht in den ersten Stock und wohooo, sowas möchte ich doch sehen. Ein offener Empfangssaal, mit prachtvollen Verziehrungen aus echtem Gold, nichts mehr aufgemalt und riesigem Kronleuchter. Das Highlight kommt aber noch. Wir betreten einen neuen Raum, nein, eine Halle und bämmmm, das ist das Gefühl überwältigt zu sein. 60 Meter hoch, eine Fläche von 2000 Quadratmeter, Marmor, ein riesiger durchgewebter Teppich, ein gigantischer Kronleuchter, ein Traum! Wermutstropfen: No photo please…

Nach der Besichtigung führt der Weg in die Gärten, aber das Wetter lädt dort nicht so lange zum Verweilen ein. Trotzdem hübsch. Die Aussicht auf Asien ist hier nahezu allgegenwärtig und ein tolles Gefühl, ist ja schließlich einmalig auf der Welt! Ich gehe zurück zum Hotel bzw fahre mit den „Cable-Cars“. Sieht aus wie eine Metro und funktioniert über die Kraft der Gegengewichte an einem steilen Hang. Also so habe ich es jedenfalls verstanden. Die Sonne kommt heraus und so verordne ich Daniel einen Spaziergang an der Sonne im freundlichen Istanbul. Kann ihn aber nur zu einer Flasche Wasser überzeugen. Danach wieder ins Bettchen, schade.

Meine Tour geht weiter zum Sultanahmet Platz. Ich stehe zwischen der blauen Moschee und der Hagia Sophia im Herzen von Istanbul. Wunderbarer Platz, grandiose Bauwerke, Weltgeschichte! Die geschichtlichen Fakten zur blauen Moschee lasse ich mal aus. Jedenfalls habe ich mich zuerst für den dortigen Besuch entschieden. Von außen steigt die Vorfreude. Der Eintritt ist gratis, Fotos machen erlaubt, ein Traum! Die Schuhe müssen in einer Plastiktüte mitgetragen werden, Frauen werden verschleiert. Man betritt die Moschee über einen unscheinbaren, eigentlicht unpassenden Eingang. Aber dann kommts gewaltig, bombastisch und einfach abnormal. Die Füße werden sanft vom Teppich getragen und lassen so ein noch unbeschwerteres Gefühl der Schönheit dieses Bauwerkes zu. Das Lichtspiel über die bunten Fenster ist ganz großes Kino. Blau ist zwar eine dominierende Farbe, aber beileibe nicht die Einzige. Die Kuppeln sind wunderbar, die Malereien von höchsten Künsten. Da noch ein Gebet ansteht, muss man die Moschee dann leider verlassen.

Aber moment, Gebet, da war doch was. So warte ich auf dem Platz vor der Moschee mit der Hagia Sophia im Rücken. Dann gehts los, der Gesang, das Schreien oder Aufruf zum Gebet ertönt aus unzähligen Lautsprechern. Kurze Pause. Irgendwie antwortet der Muizin der Hagia Sophia mit seinen Aufrufen und so wechseln sich beide mehrmals ab. Und ich sitze mittendrin, klasse!

Danach gehts noch zum großen Basar. Das Wort „groß“ ist hier wohl passend gewählt. Der Hauptbasar ist komplett überdacht, verschachtelt und ziemlich verzweigt. Es fällt schwer die Orientierung zwischen den mehreren hundert Läden und Ständen zu behalten. Die bunten Farben, Gerüche und Menschen sorgen zusätzlich fur Ablenkung. So viel Zeug habe ich noch nie auf so kleinem Raum gesehen. Vom Schmuck, Klamotten, Geschirr, Souvenirs, Stoffen, Gewürzen usw, es gibt vermutlich so gut wie alles hier. Ein Deutschland Trikot kostet hier erst mal 45 Lire, aber ohne weiteres Zutun nur noch 40 Lire, das sind dann 13 Euro. Da ist noch mehr drin, aber noch habe ich kein Interesse. Ein weiteres Nachfragen nach einem NBA Trikot fordert den Preis von 120 Lire hervor. Kurze Zeit später bekomm ich es für 100 Lire und einem Ibrahimovic Trikot dazu. Aber wieder schlage ich noch nicht zu. Morgen dann vermutlich.

Ich mach mich auf den Heimweg und hole Daniel ab. Er fühlt sich besser und sieht es ein, etwas essen zu müssen. Es geht aufwärts. Auf dem Weg durch die İstiklal Caddesi, dort laufen wohl tausend Menschen umher, findet Ali (meine Bekanntschaft vom Tag zuvor) mich! Zufälle, die es eigentlich gar nicht geben kann. Er hat mich gleich erkannt und begrüßt mich. Kurzer Smalltalk, aber dann gehen wir wieder getrennte Wege. Lustige Begegnung.

Danach zeige ich Daniel die Insider Gasse mit den tollen Restaurants, in denen wohl die Mehrzahl der Gäste einheimisch ist. Daniel ist begeistert und ich bin es auch. Das Essen ist lecker, die Zutaten frisch, der Service nett und die Atmosphäre einfach einmalig. Wir beide mitten in Istanbul unter den Raki trinkenden, oftmals rauchenden, gut gekleideten Türken, die meist mehrere Speisen untereinander aufteilen. Wir bezahlen knapp 22 Euro, sind voll zufrieden und ziehen von dannen hinaus in die Nacht bzw ins Bett.

Donnerstag – 01. Mai 2014

Der Tag beginnt, wie jeder gut genutzte Urlaubstag beginnen muss: Mit einem ausgiebigen Frühstück, um Energie für den Tag zu tanken. Diese werden wir wirklich brauchen!

Während der 1. Mai zu Hause eigentlich außer der Tatsache, dass man frei hat, nichts Besonderes darstellt, herrscht in Istanbul wahrlich Ausnahmezustand. Schon die ganze Woche hatten am Taksim Platz diverse Polizei Absperrgitter gestanden, heute sahen wir alles aufgebaut und in Action. Die Polizisten sperrten schon die Straße und so hatten wir Mühe zur Metro zu kommen. Polizisten sperrten alle Seitenstraßen und so gab es eigentlich auch nur eine Route. Menschen waren sehr wenige unterwegs. An der Metrostation mussten wir dann feststellen, dass diese gesperrt waren und so mussten wir weiter laufen. Unser Spaziergang führt uns an etlichen Absperrungen und Polizisten vorbei, davon haben wir uns aber die Laune nicht verderben lassen. Wir sind über die Galata-Brücke (trennt Neu- von Alt-Istanbul) marschiert, auf der viele Angler ihr Glück versuchen. Die Brücke ist sozusagen zweistöckig. In der unteren Etage befinden sich ganz viele Restaurants, ist auch eine coole Idee.

Wir haben später eine Pause im riesigen Park eingelegt, wo es viel für das Auge zu entdecken gibt. Neben Blumen, anderen Pflanzen, Statuen und Brunnen, treiben auch Papageien oder Kakadus hier ihr Unwesen. Mit dem guten Wetter dazu war dies ein toller Ort für ein kurzes Durchschnaufen.

Ein weiterer Fußmarsch hat uns zwischen (klasse Ausblick!) die Blaue Moschee und die Hagia Sophia geführt. Dank des guten Wetters, wurden die Fotos diesmal deutlich besser. Mit Daniel bin ich dann nochmals in die Blaue Moschee und es war wieder großartig! Die Stimmung kann man echt toll aufsaugen und genießen. Zu Fuß ging es dann weiter zum Ägyptischen Basar. Ein echtes Erlebnis! Dort werden hauptsächlich Gewürze, Süßigkeiten und sonstige Lebensmittel verkauft. Die Farben, Gerüche und die Atmosphäre sind phantastisch. Überall in der Luft ist praktisch das Exotische zum Greifen. Viele Gewürze (oder zumindest deren englische Bezeichnung) waren uns gar nicht bekannt. Eingekauft haben wir aber natürlich auch. So füllten wir die Taschen mit Pfeffer, Paprika, Curry und Safran (dem teuersten aller Gewürze). Gehandelt wird auf dem ägyptischen Basar übrigens nicht! Nach einer kurzen kulinarischen Stärkung haben wir uns dann weiter der Shopping-Laune ergeben und sind zum Großen Basar gelaufen. Dort haben wir uns ebenfalls die Taschen gefüllt. Gut verhandelt haben wir dort natürlich auch. Also unterhalb von 50 % sind wir schon gekommen. Hat auch ein bisschen Spaß gemacht. 🙂

Für den Rückweg haben wir die Metro genommen. Also zumindest so weit wie möglich. Denn die Straßen waren immer noch großzügig gesperrt. So gefühlt in einem Umkreis von 3km um den Taksim Platz. Das war schließlich unser Ziel. Wir mussten durch diverse Polizei Kontrollen, die unsere Taschen und Ausweise kontrollierten. Freundlich naja, waren sie nicht direkt. Vielleicht auch vom Tag genervt und etwas müde. Den Weg kannten wir nicht so wirklich und wir wurden auch mehrmals umgeleitet, so dass wir nur noch grob die Richtung erahnen konnten. Menschen waren eigentlich kaum bis gar nicht unterwegs. Wir sind an den Polizisten vorbei, Randale haben wir gar keine erlebt. Auf dem Taksim Platz, den wir irgendwann mal erreichten, befand sich NIEMAND. Ich würde behaupten, dass es sonst keinen Tag gibt, an dem so wenig Menschen an diesem zentralen Platz in Istanbuld sind. Ok, niemand ist jetzt falsch, da dort wieder massig Polizisten mit Schilden, Schlagstöcken, Pistolen und Gewehren standen. Die Stimmung war schon sehr merkwürdig, wir hatten keine Angst, aber wohl haben wir uns als „Ausländer“ jetzt auch nicht gerade gefühlt. Irgendwann sind wir dann doch am Hotel angekommen, der Rückweg war eine richtige Odysee. Vom Fenster des Zimmers aus dann, haben wir noch eine Demonstration von Vermummten sehen können. Da diese dann lautstark in Türkisch schrien, wirkte dies noch „bedrohlicher“. Die Lage war aber unter Kontrolle, da Polizisten die ganze Parade über die Straßenbreite verteilt eskortierten.

Zu späterer Stunden mussten wir dann doch auch mal was Essen. In unserer Straße befanden sich einige Möglichkeiten. Bei der Auswahl wurden wir aber von der Polizei aufgefordert in ein Lokal zu gehen oder wieder zurück. So wurden wir praktisch in ein Lokal gedrängt und die Wahl war gefallen. Dort war aber alles ok. Abends haben wir die Ausschreitungen des Tages noch in den Nachrichten verfolgt. Maskierte lieferten sich Straßenschlachten mit der Polizei und dabei kamen Wasserwerfer und Tränengas zum Einsatz. An den Orten sind wir am Morgen noch vorbei gelaufen. Puh, zum Glück sind wir da in nichts hinein geraten. Sogar bei der Tagesschau war dies das Top-Thema des Tages und wir mittendrin!

Freitag – 02. Mai 2014

Das letzte Mal Aufwachen in Istanbul. Ab ins Bad, Koffer packen, Frühstücken, Restliches Zeug verstauen, Auschecken und anschließend noch das Gepäck im Hotel zur Verwahrung abgeben. Daniel macht heute den besten Eindruck aller vergangenen Tage, also nehmen wir uns noch einiges vor. Auf dem Programm steht noch die Hagia Sophia. Also fahren wir mit der Metro. Langsam wird uns etwas bewusst, was uns beim Platz vor der Hagia Sophia und der Blauen Moschee schlagartig klar wird. Am Freitag sind gefühlt doppelt so viele Touristen wie unter der Woche in Istanbul. Lag vielleicht auch an der Verbindung mit dem Brückentag. Lässt es sich also irgendwie einrichten, besichtigt die Stadt nicht nur am Wochenende. Die Schlange vor der Hagia Sophia erscheint nicht nur endlos, sondern ist es mit ca. 3h Wartezeit in der Sonne auch. Also muss ein Alternativplan her (natürlich schon in der Tasche) und dieser ist nur einmal über die Straße die Yerebatan Zisterne. Man nennt diese auch den versunkenen Palast. Die Zisterne wurde ca. 530 n.Chr. vom römischen Kaiser Konstantin in Auftrag gegeben. Nachdem schon James Bond und Jackie Chan hier ihr Unwesen getrieben haben, reihten wir uns in die ca. 45 Minütige Warteschlange ein.

„Unter Tage“ erlebt man dann eine sehr eindrucksvolle Demonstration, wie man mit Licht und antiken Gebäuden eine wunderbare Atmosphäre schaffen kann. Die enorm hohen Säulen und Wölbungen sind in einem dunkelroten Licht erleuchtet und schaffen eine enorme Weite des „Raumes“. Im Wasser tummeln sich neben Geldstücken auch diverse riesige Fische.

Nach diesem weiteren Highlight haben wir uns zum Abschied von Istanbul noch der schmackhaften türkischen Küche bzw. Spaghetti zugewandt. Nach einem weiteren Besuch des Basars mit dem verbundenen Einkauf weiterer sinnvoller (!) Mitbringsel für zu Hause (Stichwort: WM) mussten wir nochmals den Umweg zum Hotel in Kauf nehmen, um unsere Rucksäcke zu holen. Die weitere etwas mehr als eine Stunde mussten wir leider mit den Rucksäcken auf dem Rücken stehend in der Metro zurücklegen. Bei den vielen Menschen und dem Bremsen / Beschleunigen war dies ein sehr anstrengendes Unterfangen.

Im Flughafen durften wir ohne Probleme das Land wieder verlassen und sind auch sicher in München gelandet.

Kurzes Fazit: Istanbul, oh Istanbul, du bist wirklich wunderbar! In dieser Stadt kann man problemlos eine Woche und den Fahrten ins nahe Umland wohl auch 10 Tage verbringen. Mit tollen Flugverbindungen von München und dem angenehmen Preisniveau in Istanbul selbst, kostet die Reise auch kein Vermögen! Ich könnte mir durchaus vorstellen, Istanbul nochmals zu bereisen, wenn die Welt nicht so viel Weiteres zu bieten hätte…

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