Macau – Etwas Europa im fernen Osten?


      Keine Kommentare       Mathias       AllgemeinReise-Berichte      


Um ehrlich zu sein, hatten wir Macau eigentlich nicht auf dem Schirm. Da wir durch den Taifun allerdings länger als geplant in Hongkong bleiben mussten, haben wir uns dazu entschieden, das Land nochmal zu wechseln und nach Macau zu gehen. Eine absolut richtige Entscheidung!

Während unserer Busfahrt haben wir erfahren, dass Macau mit der Fähre aus erreichbar ist. So kam der Stein eigentlich ins Rollen. Online Tickets für die Fähre gebucht und dann mit der „Turbojet“-Fähre übersetzen nach Macau. Mit einer klassischen Fähre hat dieses Boot allerdings wenig zu tun, da es für die knapp 60 Kilometer nur eine Stunde braucht und eher auf dem Wasser schwebt als fährt. Die Fahrt ist super angenehm, da die Sitze sehr bequem sind und man fühlt sich echt wohl. Somit war die Anreise schon ein erstes Erlebnis. Nun haben wir aber auch wirklich alles erlebt! Wir sind mit dem Auto, mit dem Bus, mit dem Flugzeug, mit dem Zug und nun auch mit dem Boot (Fähre) in ein anderes Land gereist und haben dort die Grenze passiert. Einen Sicherheitscheck, wie beim Flugzeug gibt es hier nicht. Das Gepäck kann man entweder kostenpflichtig aufgeben oder selbst mit an Bord schleppen. Wir nehmen natürlich die zweite Option wahr.

Wir wechseln das Land, sind nur einen Katzensprung von Hongkong entfernt, aber doch ist alles anders. Bereits bei der Einreise, ja auch auf der Fähre und im Land dann selbst, sind alle Schilder, Straßenschilder usw. auf portugiesisch. Ja, richtig gelesen. Macau ist eine ehemalige Kolonie Portugals und die Sprache ist bis heute noch offizielle zweite Amtssprache. Mitten in Asien lesen wir plötzlich (fast) nur noch portugiesisch. In der Sprechform ist die Sprache angeblich nur noch sehr wenig verbreitet. Warum auch? Hier gibt es offiziell eine eigene Währung (Pataca), aber nahezu überall werden auch Hongkong Dollar akzeptiert, zumindest im Restaurant, im Bus und in Automaten. Im Supermarkt nur die Währung von Macau. Das Preisniveau ist hier wieder deutlich mehr nach unserem Geschmack (außer bei den Unterkünften). Bereits der Bus vom Ferry Terminal zum Hotel kostet 3,20 Dollar, während es in Hongkong 40 Dollar gekostet hat. Das Hotel ist etwas teurer als in Hongkong, aber dafür auch wesentlich besser. So haben wir diesmal neben zwei Betten sogar ausreichend Platz für unser Gepäck und Toilette und Dusche sind wieder getrennt. Fast wie in einer anderen Welt hier. 🙂 Ach ja, das Wetter ist phantastisch. 🙂

Wie bereits erwähnt, sind hier die Portugiesen früher zu Hause gewesen bzw. ein paar sind es vielleicht immer noch. Die Stadt ist geprägt von der portugiesischen Vergangenheit und im Stadtzentrum noch omnipräsent. Wir gönnen uns ein leckeres kleines Mittagessen in einer vietnamesischen Bude. Bude trifft es ziemlich gut. Wir stellen erst nach der Bestellung fest, dass es wohl hier eher zum Mitnehmen gedacht ist. Bis das Essen fertig ist, sollen wir auf zwei kleinen Plastikhockern Platz nehmen. Dann werden wir doch gefragt, ob wir hier essen wollen und daraufhin wird sogar noch extra ein Tisch für uns herangeschafft. Zu freundlich, diese Vietnamesen. 🙂 Ach ja, zu diesem Preis hätten wir in Hongkong wohl nur beim McDonald‘s essen können.

Wir erkunden die Innenstadt und treffen auf eine tolle Fußgängerzone im portugiesischen Stil. Der Boden besteht aus weißem Kopfsteinpflaster mit blauen Musterungen und lädt schon praktisch zum Flanieren ein. Viele der umstehenden Gebäude sind wunderbar hell gebaut und verleihen diesem Platz ein tolles Flair. Ach ja, ich sollte erwähnen, dass die gesamte Innenstadt von Macau von der UNESCO auf Grund der Architektur zum Weltkulturerbe erklärt wurde. Toll!

Die Straße führt vorbei an verschiedenen Gebäuden in denen hauptsächlich Trockenfleisch in allen Variationen und Geschmacksrichtungen sowie Gebäck angeboten wird. Auf der Straße stehen viele Verkäufer und reichen mit Zangen Probierhäppchen. Beim Gebäck greife ich gerne zu, beim Trockenfleisch lehnen wir beide ab. Das Gebäck ist leider keinen Kauf wert (für mich). Wir werden direkt auf das Highlight der Stadt geführt: die Ruinen von St. Pauls. Dabei handelt es sich um die komplette Seite einer Kirche. Nur diese eine Seite steht noch komplett, sonst ist die Kirche vollständig zerstört. Die Ruine sieht aus wie im Wilden Westen, wenn die Leute dort einen Saloon gebaut haben und die Wände immer an einem Stück komplett nach oben gezogen haben. Dieser Teil der Kirche steht so schon seit 1870. Das sieht klasse aus. Auf der Treppe vor den Ruinen werden von den Menschen dutzende Fotos geknipst und wir machen munter mit. 🙂

Allgegenwärtig über der Stadt thront das Grand Lisboa. Wieder ein unverkennliches Indiz auf die Vergangenheit des Landes. Das Gebäude sieht aus, als würden dort irgendwelche fiesen Superhelden ihr Hauptquartier aufgeschlagen oder es würde Darkwin Duck dort leben. Irgendwie passt es nicht zum Rest der Stadt. Der obere Teil des Gebäudes ist geformt wie eine halbe Scheibe, die nach oben offen ist. Wir besichtigen noch die Festung von Monte Fort und haben einen tollen Ausblick über die ganze Stadt. Die Stadt ist eher niedrig gebaut und strotzt nicht nur von Wolkenkratzern. Man kann hier schön frei durchatmen. 🙂

Macau steht außen- und verteidigungspolitisch unter chinesischer Sonderverwaltung, eigentlich ist es aber ein eigener Staat. Ähnlich wie Hongkong.

Die Stadt bzw. das Land hat 650.000 Einwohner. Wir gehen zurück ins Hotel und machen uns „ausgehfein“, denn wir haben heute noch etwas vor. Zuerst nehmen wir das Abendessen zu uns und erkennen wieder einen Vorteil von Macau. Das einheimische Essen ist einzigartig, denn es verbindet die Küche Asiens mit der von Portugal. Ich weiß leider nicht genau, ob es macauische, macauanische oder macausche Küche heißt, aber dies spielt keine Rolle, denn es ist sehr lecker. Es gibt beispielweise überbackenes Steak mit Pfeffersoße und Reis. Dies wird in einer Pfanne direkt aus dem Backofen serviert. Sowas gibt es in Asien normalerweise nicht.

So, jetzt aber zum Abendprogramm. Die meisten wissen es bestimmt wofür Macau ebenfalls berühmt und weltweit einzigartig ist: Glücksspiel. Das Ganze hat ziemlich clever angefangen. Glücksspiel ist in Hongkong und China offiziell verboten. Diese Marktlücke hat Macau 1847 ausgenutzt und ist seitdem das Mekka für Glückspiel in ganz Asien. Mittlerweise sogar in der ganzen Welt, denn von den zehn größten Casinos der Welt, stehen 6 in Macau. Darunter die Plätze 1, 2, 4, 5, 7, und 9.

Da wir beide noch nie wirklich in einem Casino waren, fangen wir ganz bescheiden mit unserer Glücksspiel-Karriere an und gehen in das größte Casino auf diesem Planeten: The Venetian, Macau! Das Gebäude ist von der Fläche sogar das siebtgrößte Gebäude der Welt. Krass! Von außen ist das Gebäude sozusagen ein halbes Sechseck oder ein eckiger Bumerang. Es ist sehr hell weiß (eher schlicht) beleuchtet und ist von einem Kanal umgeben. Der Kanal zieht sich ebenfalls durch das Innere des Gebäudes und im Kanal kann man sogar auf einer Gondel fahren, Venedig eben! Die Eingangshalle gleicht einer Kirche oder einer Ruhmeshalle für Feldherren. Alles ist aus weißem Marmor und strahlt. Die Kuppel ist geschmückt mit herrlichen Malereien. Das Gebäude ist schon ein echtes Highlight. Wir gehen weiter und betreten das eigentliche Casino. Und bääämmm, Reizüberflutung! Das müssen wir einen Moment lang setzen lassen. M-o-m-e-n-t. So. Das Casino besteht sozusagen aus einem einzigen großen Raum ohne Mauern. Soweit wir blicken können (das Ende sehen wir nicht), stehen überall Spielautomaten, Tische, Geldautomaten, Angestellte (also Dealer oder Croupiers) und Menschen. Alles leuchtet und blinkt. Der ganze Raum ist mit Teppich ausgelegt und die Temperatur ist angenehm. Wir nehmen die klischeehaften Casino Geräusche wie katsching und Spielchipsgeklimper wahr. Wir laufen durch die Gänge und bestaunen alles neugierig. Das hier ist echt eine Hausnummer. Wir glauben sofort, dass es sich hierbei um das größte Casino der Welt handelt. Daran kann es eigentlich keine Zweifel geben. Nach einer Weile versuchen wir unser eigenes Glück. Wir wagen uns an den Roulette-Tisch. Nach anfänglichen Gewinnen, verlieren wir doch. Unser heutiges Limit von 5.000 Euro ist leider alles weg. Sehr ärgerlich! Deswegen fahren wir nicht mit der Limousine, sondern mit dem Bus nach Hause.

Der Tag beginnt mit einem Frühstück im Hotel. Solch einen Luxus hatten wir schon länger nicht mehr. Somit ist der Preis auch gerechtfertigt. Wir halten uns nicht lange auf und machen uns auf zum Guia Hill. Das Schöne hier in der historischen Innenstadt ist, man kann eigentlich alles zu Fuß erlaufen. Wir sind fast den ganzen Tag an der frischen Luft. Die Luftfeuchtigkeit ist aber bei 85 % und somit schwitzen wir schnell. Der Aufstieg zum Guia Hill ist anstrengend und oben angekommen schwitzen wir richtig. 🙂 Neben der tollen Aussicht gibt es hier das Guia Fortress und den Leuchtturm zu bestaunen. Beides ist in einem tollen Zustand. Das Fort wurde (natürlich) von den Portugiesen erbaut und diente hauptsächlich der Verteidigung der Stadt gegen die Holländer. Tragen die beiden Länder hier unten einen Krieg um fremdes Land aus. Auch verrückt. Der Leuchtturm ist übrigens der älteste Leuchtturm in ganz China. Sehr schön.

Macau ist total modern und geht mit der Zeit für die Touristen. So gibt es eine App mit der an den Sehenswürdigkeiten ein Code gescannt wird und man dann dort die entsprechenden Informationen erhält. Ganz so weit sind wir noch nicht. Wir laden uns aber einen Guide für eine Walking Tour herunter, laufen die Route ab und lesen jeweils die Informationen nach. Auch sehr cool!

Gegen Spätnachmittag steht dann noch der A-Ma Temple auf dem Programm. Der Tempel besteht aus mehreren Ebenen und ist mitten in den Fels gebaut / gehauen. Sehr hübsch gemacht. Überall riecht es nach diesen Räucherstäbchen und es laufen Menschen umher, die sich vor jedem Altar dreimal verbeugen. Die Atmosphäre wird etwas dadurch gestört, dass alle Räucherstäbchen-Verkäufer wohl gerade Kassensturz machen und man hört immer das Geklimper der Münzen. Trotzdem sehr nett dieser Tempel.

Für das Abendprogramm steht wieder ein Casinobesuch auf dem Programm. Diesmal geben wir uns bescheiden mit dem zweitgrößten Casino der Welt zufrieden, dem City of Dreams. Dieses Casino besteht aus mehreren kleineren Räumen und ist auf zwei Stockwerke verteilt. Dadurch wirkt es nicht ganz so riesig, wie the Venetian. Das Gebäude ist auch sehr schlicht und insgesamt gefällt es uns hier deutlich weniger, deswegen ziehen wir weiter. Es gibt ja noch massig andere Läden, um unser Geld loszuwerden. 🙂

Unsere Aufmerksamkeit wird schnell von einem Casino angezogen, denn wir entdecken den Eifelturm. Gestern Venedig, heute Paris. Hinter dem Eifelturm verbirgt sich ein wahrlich prachtvolles Gebäude. Das Casino “The Parisian” wurde offiziell vor 40 Tagen eröffnet, ebenso wie das Hotel. Wir sind praktisch eine der ersten Gäste überhaupt. Die Kosten für das Hotel betrugen 2,5 Milliarden und es umfasst 3.000 Zimmer. Das auffallend markante an diesem Casino ist natürlich der Eifelturm vor dem Gebäude. Dieser ist von weitem sichtbar und leuchtet in allen Farben. Offiziell ist dieser halb so groß wie das Original in Paris. Wir fühlen uns wohl und sind bereit zum Zocken. Wir setzen uns nochmal an den Roulette-Tisch. Ich setze deutlich mehr auf Schwarz. Daniel schlägt sich besser, verliert am Ende aber leider auch. Heute hätten wir eindeutig mehr auf Rot setzen müssen. Hätte, hätte, Fahrradkette. Wieder 10.000 Euro ärmer und geknickt fahren wir mit dem Bus nach Hause! Das war unser letzter Tag in Macau, denn am nächsten Morgen geht es mit der Fähre zurück nach Hongkong. Dort fahren wir aber direkt weiter zum Flughafen und reisen in das nächste Land / nächste Abenteuer.

Der ungeplante Ausflug nach Macau war eine hervorragende Idee. Macau hat viel Kultur zu bieten, die Stadt hat Flair und für das Abendprogramm ist auch gesorgt. Selbst, wenn man nicht selbst aktiv das Glücksspiel betreiben möchte, das sollte man sich auf jeden Fall anschauen! Macau hat mir persönlich super gefallen!

 

Anmerkung: Unsere eingesetzten Casino-Beträge waren natürlich zu Dramaturgie Zwecken mit 3 Nullen zu viel ausgestattet. Es hat hoffentlich niemand ernsthaft geglaubt, dass wir solch große Summen einsetzen. Also nochmal, wir haben im Casino an zwei Abenden gemeinsam umgerechnet 15 Euro verloren, mehr nicht! Lässt sich verschmerzen, oder? 🙂

 

 

English Part:

To be honest, Macao was not part of our journey. Because of the typhoon we had to stay longer than expected in Hong Kong. So, we took the chance and went straight to Macao for two days with the ferry. It was definitely worth the effort!

We arrived in Macao with the ferry. So now, we did everything! We came to another country with the car, walking, with the bus, with the train, with the plane and now with the ferry! Macao is just a one-hour ferry ride away from Hong Kong and not very expensive to go to.

In former times Macao was a colony of Portugal and the influences are still present today. After the arrival we recognize that every sign is also written in Portuguese. Portuguese is the second official language in Macao. There is a lot of the old culture to explore in the city. The ancient city itself is also completely an UNESCO world cultural heritage.

We walk through the pedestrian zone and enjoy the beautiful buildings. Most of them are really colorful and the road itself is formed with white and blue cobblestones. It really invites you to stroll around here. We pass the St. Dominicus church and head straight to the cultural highlight of Macao: The ruines of St. Pauls. This is one single wall from an ancient church named St. Paul. Only one side survived the fights and wars in the past, but this wall looks really impressive. So we are not the only tourists here. 🙂 One other nice thing about the ancient city of Macao is, you can walk to every sight because the distances are not far. The signs for tourists are also very good and so it is easy to explore.

In the evening we explore the other famous side of Macao: gambling! From the ten biggest casinos in the world are 6 located in Macao. You thought the biggest place for gambling is Las Vegas? Forget it. Macao makes 6 times more profit with gambling than Macao. Las Vegas was yesterday! We start our gambling career very modest in the biggest casino in the world, the Venetian! The building itself is really impressive. But inside you can get crazy. It is only one big room and as far as you can see only gambling machines, roulette tables or tables for card games. This is really another world for us! We look around to get comfortable with the gambling. After a while we search our luck at a roulette table. But, unfortunately we didn’t found it today. Bad luck, but no problem.

The next day we do another cool sightseeing tour. We walk up the Guia Hill with the Guia Fortess and the Guia Lighthouse. This is really exhausting but it is worth the effort. We have a very nice view above the city and the chapel and the Lighthouse is also worth the visit. After this we do some walking tour with our smartphone on our own and get some really interesting facts about Macao.

At the evening we continue our gambling career and head to the second biggest casino in the world. It is called City of Dreams. After this casino we visit the newest attraction here. The Parisian was opened just 40 days ago and so we are nearly one of the first visitors. The casino costs around 2.5 billion and has over 3.000 hotel rooms. The highlight of this casino is the half-size Eiffel tower in front of the building. The building behind the tower is very luxury and looks more like a big church than a casino. But after entering the casino itself, it is impressive again. We try our luck again and lose again. No problem at all.

Macao is a unique place in Asia. The mixture from China and Portugal is definitely worth a visit and the ancient city is so interesting to explore. Even if you are not into gambling, the casino must be visited. This is really crazy and I barely believe you saw something like this before or perhaps in the little Las Vegas, USA. 🙂 We had a wonderful time in Macao.

 

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