Strongmanrun 2015 – Wir waren dabei!!!


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Strongmanrun

Auf Knien durch Schlamm robben und dabei Stromschläge bekommen. Durch Eiswasser schwimmen. Bis zu den Knien durch Glibber waten. Und dabei noch 24 Kilometer laufen. – „Sonst geht’s dir gut? Dir brennt doch der Kittel! Du mi au! Vergiss es …“ So liefen in etwa die erste Überzeugungsversuche bei meinen Kumpels ab.

Trotzdem fahren wir am Freitag zu viert im Auto Richtung Nürburgring. Unser (großes) Ziel der Strongmanrun 2015 von Fisherman’s Friend alias „Der härteste Hindernislauf der Welt!“.

Die vier Verrückten sind in diesem Fall: Daniel (den ich wirklich hart überzeugen musste), Pepper und Dominik (da die Beiden nicht so recht gezogen haben, habe ich sie einfach selbst angemeldet 🙂 ) und meine Wenigkeit.

Die Fahrt am Freitag war ziemlich langatmig, bedingt durch mehrere Staus. Ach ja, nach der Anmeldung haben wir festgestellt, dass der Nürburgring doch nicht bei Nürnberg liegt, sondern knapp unterhalb von Bonn. 🙂 Dennoch war die Stimmung an Bord gut, voller Vorfreude und gleichzeitig mit höchstem Respekt für die bevorstehende Aufgabe.

Nach der Ankunft haben wir kurz im Hotel eingecheckt (La Lanterna in Müllenbach, soll hier kurz gelobt werden) und sind dann gleich zum Ring Boulevard (direkt an der Strecke) gefahren. Dort findet am Abend vor dem Lauf die Pasta Party statt. Wir haben uns mit leckerer Pasta ordentlich den Bauch vollgeschlagen oder eher den Kohlenhydrat-Speicher bis obenhin gefüllt. Anschließend noch kurz unsere Startunterlagen abgeholt und die Atmosphäre bisschen aufgesaugt. Ganz viele Leute waren schon da, auch die ersten Verkleidungen wurden zur Schau gestellt. Die Vorfreude auf die „Qualen“ wuchs.

Samstag, 09.05.2015: Der Tag der größten sportlichen Herausforderung unseres bisherigen Lebens! Ist das übertrieben? Mh, bisher sind wir alle so maximal 13-15 Kilometer am Stück gelaufen, da kommen heute nochmal 10 km drauf und 36 Hindernisse dazu. 🙂 Das wird hart, ultrahart!

Der Tag beginnt im Hotel mit einem ordentlichen Frühstück, nochmals werden alle Energiespeicher prall gefüllt. Die Vorbereitungen auf den Lauf nehmen danach noch etwas Zeit in Anspruch (Startnummer befestigen, Chip am Schuh verknoten …), ehe wir uns mit dem Auto auf dem Weg zur Strecke machen. Der Parkplatz kostet heute 5 Euro und ist gefühlt fünfmal mehr belegt als am Tag zuvor. Wir schlendern noch etwas durchs Boulevard und bestaunen die Kostüme vieler kreativer Teilnehmer und bereiten uns mental aufs Rennen vor. Unsere Taktik ist, dass wir als Team laufen und jeder unbedingt ins Ziel kommen soll (notfalls getragen von den anderen).

Um ca. 12.20 Uhr machen wir uns auf in Richtung Startaufstellung. Dort stehen wir ca. an Position 8.000 von 11.500 Startern. Es sind einfach unglaublich viele Menschen auf der Start- bzw. Zielgeraden an der Formel 1 Strecke Nürburgring. Die Ampel, die den Start bei der Formel 1 anzeigt und die eingezeichneten Markierungen für die Autos auf dem Asphalt sehen wir auch.

Vor dem Start wird den Teilnehmern schon durch einen Moderator, DJ und eine Band ordentlich eingeheizt. Die Menschen sind alle voller Vorfreude und die Sonne kommt zum Vorschein. Manche Teilnehmer sind voller Ektase, dass diese ihre (vorher noch wärmenden) Klamotten ausziehen, in die Luft werfen und diese ihrem Schicksal überlassen. So liegen im Startbereich diverse lange Hosen, Pullover und Jacken herum, die garantiert niemand mehr abholen wird.

Der große Startschuss um 13 Uhr wird mit einem obligatorischen Countdown eingeleitet. 10… die Band rockt … 9, 8, 7 … noch mehr Klamotten fliegen durch die Luft, … 6, 5, 4, … ein paar Leute rennen noch kurz zum Dixie-Klo, … 3, 2, 1 … wir sind heiß auf das Rennen … 0! Rauch, Feuerwerk und die Anfeuerungen der vielen Zuschauer sorgen bereits für Adrenalin, alle wollen los. Naja, da die Stelle am Start verengt ist und einfach so viele Leute am Start sind, dauert es bis ca. 13.20 Uhr bis auch wir endlich auf die Strecke dürfen! Der Anfang des Rennen besteht erst einmal aus ca. 3km über die Rennstrecke laufen, das Feld soll sich etwas entzerren. Wir achten auf ein einheitliches Tempo und mir gefällt es schon jetzt super gut, obwohl noch (fast) nichts passiert ist. 🙂

Die Strecke (kompletter Streckenplan) leitet uns dann über eine Wiese, auf der jeweils mehrere Reihen mit eckigen Strohballen (wird nicht offiziell als Hindernisse gezählt) warten, die übersprungen werden müssen. Der Einstieg gelingt uns gut. An den Treppen, die auf die Tribüne neben der Strecke führen, müssen wir zum ersten Mal wieder anhalten und den Massen Tribut zollen. Generell gibt es zu Beginn noch einiges an Wartezeit. Aber aufregen tun wir uns darüber nicht, die Stimmung ist nach wie vor top. Das erste offizielle Hindernis (Liste aller Hindernisse) zwingt einen zum Kriechen durch den Matsch. Damit der Matsch auch noch schön matschig bleibt, wird dieser immer schön künstlich beregnet. Das Kriechen wechselt sich mit Laufen zwischendrin ab und dann kommen wir ins „Knie Mands Land“ (Hindernis Nr. 2). Zum Kriechen im Matsch kommen hier auch noch hängende Bendel (Schnüre) hinzu, die unter Strom stehen. Wir sind aber so (klein und) wendig und können allen Stromschlägen ausweichen. Nach den Hindernissen warten wir immer auf die Anderen unseres Teams. Daniel, Dominik und Pepper sind noch voller Vorfreude und Erwartung auf die nächsten Herausforderungen. Voll Matsch sind wir bereits.

Während der Strecke gibt es immer wieder Versorgungsstationen mit Getränken und Obst. Nach jeder Versorgungstation hat Pepper die Hände nicht nur voller Matsch, sondern auch voller Orangen. 🙂

Weiter auf der Strecke geht es durch große Schiffscontainer, worin sich hängende Boxsäcke befinden, die einem gerne an die Birne klatschen würden. Danach muss man über die Container klettern. Bei den Kletterpartien wird der Teamspirit des ganzen Laufs immer wieder bewusst. Viele Teilnehmer, die es nach oben geschafft haben, drehen sich um, um den Anderen zu helfen. Gemeinsam sind wir stark.

Die Hindernisse stehen meist etwas voneinander entfernt, so dass sich Laufpassagen und Hindernisse gut und angenehm abwechseln. Dann kommt unser bisheriges Highlight, Slime Time! Hier ist der Name Programm und es gilt ein 40 m langes Becken gefüllt mit grünem und kaltem Schleim zu durchwaten (oder zu durchschwimmen). Ich habe Angst, dass ich meine Schuhe in der Schlonze verliere, aber es ist irgendwie total klasse. Die Schlonze ist richtig schön schlonzig und kalt. Nach dem Becken sind unsere Beine komplett voll Schleim und die Füße gefühlt doppelt so schwer. So machen die nächsten 100 Höhenmeter (mir zumindest) gleich noch mehr Spaß! Hier wurde übrigens Maggi (zufällig hat Daniel einen Bekannten aus dem Fußballverein getroffen) zum letzten Mal gesehen. Der Anstieg ist schon nicht ohne, aber wir bleiben zusammen und kämpfen uns durch.

Die nächsten Hindernisse bestehen aus Reifen zum drüber und drunter durch klettern in verschiedenen Höhen und Schiffscontainern, die erklommen werden müssen. Meist stehen davor noch Strohballen, auf die man sich entweder hinauf oder hinunter drängt. Die Sprünge sind eine ganz schöne Belastung für die Knie, die wir noch merken werden.

Kurz danach kommen vier Hindernisse ziemlich geballt am Stück. Eine riesige Wasserrutsche mit kaltem Nass und Dreck, „Mount Givemetherest“ (diverse Kletterpartien), Schiffscontainer, die mit Seilen überwunden werden sollen und dann noch Hürden, zum Drüberspringen und Klettern. Danach kommt eine Versorgungsstation. Hier ist der Andrang etwas größer. 🙂 Die Stimmung im Läuferfeld ist immer noch toll. Einmal beim Anstellen wird sogar „Oh, wie ist das schön“ angestimmt und alle singen lautstark mit. Tolle Kostüme und lustig bedruckte T-Shirts sehen wir ganz viele, beispielsweise „Ich dachte, wir gehen zum Angeln“; „Wie bin ich hier nur rein geraten?“ oder „Umkehren wäre jetzt auch blöd“.

Nach einer bisschen längeren Laufpassage kommt der Schaumtunnel. Ein 40m langer Tunnel, in dem diverse Schaumkanonen und Rasierschaum auf uns wartet. Der Boden ist hier nirgends sichtbar, man steht im wadenhohen Rasierschaum und steigt über Strohballen. Es macht echt Spaß! Und (zumindest in meinem Fall) ist das kein erzwungener Spaß. 🙂

Das Wetter ist immer noch fast optimal für solche Laufveranstaltungen. Dann kommt für viele das härteste Hindernis. 40m durch kaltes Wasser schwimmen in voller Montur. Es ist schon frisch. Klatschnass kommt man aus dem Wasser, aber anstatt sich auszuruhen oder gar abzutrocknen, rennen wir einfach weiter. Schon verrückt die ganze Veranstaltung.

Drei Hindernisse haben wir noch vor uns. Konditionell sind noch alle fit. Beschwerden hat bisher noch keiner aus dem Team. Jetzt wartet ein „Becken“ voller Reifen auf uns, genau genommen sind es 14.000 Reifen. Das ist für mich persönlich das härteste Hindernis, da man auf den ganzen Reifen ganz leicht umknicken kann und die Reifen teilweise unvorhersehbar nachgeben. Wir kommen trotzdem heil durch und erklimmen ein lang gezogenes Netz in Spinnenmanier. Auf der anderen Seite rutschen wir wieder ins kalte Nass. Der „Endgegner“ (letztes Hindernis) besteht aus Reifen-Baumstamm-Pressen, Containern und Strohballen. Danach geht es auf die Zielgerade. Und trommelwirbel, wir biegen rechts ab auf die Runde 2! Wussten wir schon vorher, also war jetzt keine böse Überraschung! 🙂

Auf zur zweiten Runde! Diese war (gleich mal vorweg nehmen) wesentlich flüssiger und ohne Wartezeiten, da doch einige Teilnehmer schon im Ziel waren oder wir doch auch einige hinter uns gelassen haben. Wir ließen es aber auf keinen Fall ruhig angehen, wir hatten schon noch einiges vor. Ich werde jetzt nicht mehr im Detail auf jedes Hindernis erneut eingehen. Die Geschwindigkeit war weiterhin konstant bei uns. Beim langen Anstieg auf den Berg (100 Höhenmeter) waren wir die einzigen vier Läufer, die noch gerannt sind, der Rest ist nur noch gegangen. Die Waden brannten, aber dort haben wir wohl so ca. 1000 Leute überholt. An einem Hindernis gegen Ende haben wir uns verloren, so ist Pepper mit Daniel gelaufen und Dominik und ich bildeten ein Zweierteam. Wir haben es alle bis zum Ende durchgezogen, die Knie waren gegen Ende das größte Hindernis. Auf die Zähne gebissen, sich gegenseitig angefeuert und nur vom ganzen Drumherum inspirieren lassen. Das lange Reifenhindernis kurz vor Ende war nochmal sehr anstrengend. Dort muss man die Konzentration weiterhin sehr hoch halten, um sich nicht doch noch zu verletzen. Wir haben doch viele Läufer (auch teilweise genau auf den Hindernissen) gesehen, die Krämpfe hatten und „im Weg herum“ lagen. Sanitäter oder hilfsbereite Läufer kümmerten sich aber sofort um diese.

Vollgepumpt mit Adrenalin, Glücksgefühlen, Erleichterung und auch ein bisschen Erschöpfung, erblickte ich gemeinsam mit Dominik das Ziel. Wir haben nochmal alles aus uns herausgeholt und zum Zielspurt angesetzt. Zu zweit sind wir nach 3:20:40 h über die Ziellinie gelaufen! Was für ein Gefühl! Wir haben es geschafft! Gleich dahinter bekamen wir die (von mir von Anfang an) begehrte Finisher Medaille um den Hals gehangen! Wir haben es geschafft, wir sind Strongman / Strongmen! Mann, ich bin echt stolz auf meine Jungs!

Im Ziel ist es dann doch etwas windig und die Klamotten sind natürlich immer noch alle nass. So werden Rettungsdecken (diese Folien) verteilt, in die wir uns alle einwickeln. Wir genießen noch ein paar alkoholfreie Bier zur Regeneration, holen unser verdientes T-Shirt ab und machen noch ein paar Fotos. Nach einer Weile sind wir dann erschöpft ins Hotel gefahren und haben die warme Badewanne / Dusche genutzt, um die Muskeln bisschen zu entspannen. Der Abend war dann sozusagen perfekt, wir haben uns Pizza von der zugehörigen Pizzeria geholt und haben zu viert auf dem Sofa / Bett die Sportschau dazu angeschaut. 🙂 Eigentlich waren alle bisschen fertig, aber es gab ja einen Grund zum Feiern. So sind wir dann gegen Abend in den Ort gelaufen (!), um dort noch ein paar Kölsch zu trinken. Zum Abschluss sind wir mit dem Taxi noch in den Eifel Stadel zur After-Run-Party gegangen und haben dort etwas gefeiert.

Am nächsten Tag haben wir noch das Frühstück genossen und traten dann die Heimreise an.

 

Fazit:

Ich wollte diesen Lauf (oder sowas in der Art) schon lange machen, aber alleine hatte ich mich nicht dazu bringen können. Ich danke meinen drei Kumpels, dass sie mitgegangen sind und wir das gemeinsam so klasse durchgezogen haben! Mir hat es echt großen Spaß gemacht. Es war anstrengend, aber richtig überragend. Insgesamt haben wir es alle vier besser weggesteckt, als wir „befürchtet“ hatten. Sicherlich nicht der letzter Lauf (dieser Art) an dem ich (oder vielleicht auch wir) teilgenommen haben. Insgesamt ein richtig geiles Wochenende!

 

 

Der offizielle Film zum Rennen:

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Sorry, muss neuerdings sein wegen DSGVO.

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