Wahiba Sands – Ein unvergessliches Abenteuer in der Wüste


      Keine Kommentare       Mathias       AllgemeinOman      


Heute wird es spektakulär, schnallt euch an, stellt die Sitze waagrecht und los geht’s!

Diesmal ruft nicht der Berg, sondern die Wüste! Der Oman besteht zu 70 % aus Wüste, aber bisher haben wir davon eigentlich fast nichts mitbekommen. Das muss sich ändern. Wir haben uns eine Nacht in der Wüste gebucht, genauer im 1000 Nights Camp. Problem ist nur, das Camp ist 40 km in der Wüste und das packt nicht mal unser Mazda 3. Also brauchen wir noch einen Fahrer. An dem Treffpunkt werden wir gefunden von einem bisschen komischen Typen. Wir gehen trotzdem mal mit. Der Typ kann nur miserabel Englisch. Er redet mit einem anderen Mann und irgendwas stimmt nicht. Ich glaube, der Typ hat gar kein eigenes Auto und würde jetzt wohl das Auto vom anderen leihen. Ist irgendwie komisch. Wir fahren lieber mit dem zweiten Typ. Das Schicksal bringt uns genau zum Richtigen!

Die Fahrt in die Wüste

Wir steigen also in seinen „benutzten“ Nissan Patrol und los geht’s. Anfangs redet er fast nur über Geld, also wir können mit ihm noch dies und das machen… Plötzlich einfach nur noch roter Sand, es wechselt schlagartig. So weit das Auge reicht nur noch Sand. Unser Fahrer heißt Saleem. Sein Adlerauge erspäht am Horizont ein anderes Auto, etwas abseits der Piste. Er fährt direkt hin, um mal zu schauen. „Perhaps Need help“. Dort angekommen stehen viele Omani um das festgefahrene Auto. Saleem übernimmt sofort das Kommando. Er zeigt den Jungs, wo sie graben müssen und wo zu schieben ist. Er selbst setzt sich ans Steuer. Kurze Zeit später ist das Auto frei. Wir fahren weiter. Die Wüste ist unendlich.

Samariter der Wüste

Er fragt, ob wir es eilig haben. Haben wir nicht. Das Adlerauge erfasst am Horizont nahe einer Siedlung ein Auto, welches sich nicht bewegt und einige Gestalten etwas abseits davon. Mit seinem gebrochenen Englisch versucht er uns klar zu machen, dass man sich in der Wüste helfen muss. Ohne Auto sterben hier Leute. Also auf zur nächsten Rettungsmission. Er fährt quer feldein, der Typ kann fahren. 🙂 Am neuen Ort angekommen fährt er zuerst zu den Gestalten. Es handelt sich um zwei Frauen und ein kleines Kind. Irgendwas stimmt am Auto nicht. Die Frauen laufen aber irgendwie weiter. Saleem fährt die Düne einfach nach oben zum Auto. Dort finden wir weitere Frauen und weitere Kinder vor. Das ganze Szenario ist vor einer Art Beduinenlager. Das Auto springt nicht mehr an. Bisher saßen wir noch im Auto. Saleem macht uns mit einem „please help“ zu seinen Mechaniker-Assistenten. Der Plan ist nun, die Batterie seines Autos kurz in das Andere einzubauen, um dieses zu starten. So schrauben wir zu dritt an der Batterie seines Autos herum, bauen die andere Batterie dort aus und installieren dort seine eigene Batterie. Die Frauen und Kinder stehen staunend daneben. Der bange Moment, Saleem startet das liegengebliebene Auto und … es läuft. Also Motor laufen lassen und die Batterie wieder wechseln. Sowas haben wir auch noch nie gemacht. Jedenfalls sind am Ende beide Batterien wieder dort, wo sie hingehören. Die Frauen sind sehr dankbar und fahren davon. Wir bleiben zurück und bekommen vom Sohn des Hauses Tee als Dank. So sitzen wir zu viert im Schatten des Autos und trinken Tee gemeinsam. Was für ein Erlebnis! Das Schicksal hat uns diesmal nicht nur einen klasse Fahrer, sondern auch noch den Samariter der Wahiba Wüste geschickt! Großartig.

Saleem ist uns total dankbar, dass wir ihm geholfen haben und schüttelt uns während der Fahrt noch mehrmals die Hand. Er meint es ernst. Es ist seine Wüste, seine Heimat. Zwei weitere kleine Rettungseinsätze folgen. Aber einmal glauben es ein paar junge Omani besser zu wissen, ein anderes Mal ist das Auto doch frei, bevor wir zur Stelle sind. Irgendwann erreichen wir sogar das Camp. Wir bezahlen ihm bereits auch schon die Rückfahrt, da er sich in seiner Ehre gekränkt fühlt, weil wir nur die Hinfahrt bezahlen wollten. Wir glauben mal an sein Samariter-Herz und vereinbaren die Zeit für die Rückfahrt. Im Camp bekommen wir einen leckeren Willkommens-Tee und werden mit einem Golf-Caddy zu unserem Zelt gefahren. Wir haben uns ein „Arabic-Tent“ reserviert. Das Zelt ist klasse. Es sieht hübsch aus, darin stehen zwei Betten und wir haben sogar ein Licht, alles was wir brauchen.

Sonnenuntergang in der Wüste

Jetzt müssen wir uns aber schon sputen, denn der Sonnenuntergang naht bereits. Dazu müssen wir noch viele Meter Dünen erklimmen, da das Camp etwas vertieft liegt. Der Aufstieg ist anstrengend, aber er lohnt sich. Wir sitzen auf der Kante der Düne im Sand und verabschieden uns vom roten Ball. Die Wüste wird nochmals ganz besonders belichtet und die Stimmung ist toll. Der Sand ist angenehm warm. Nachdem die Sonne verschwunden ist, heizen noch einige Geländewagen vorbei und knattern durch den Sand. Die hohen Dünen rennen wir danach im höchsten Tempo nach unten, coole Sache. 🙂

Wir spendieren uns mitten in der Wüste eine Dusche. Es gibt so kleine Kabinen ohne Dach und so kann man praktisch unter freiem Himmel duschen, aber sehr wassersparend. Zum Abendessen bekommen wir ein arabisches Büffet vom Feinsten aufgefahren. Köstliche Gerichte mit frischen Salaten, vielen Dips (Hummus) und Saucen, frisches vom Grill, Fladenbrote … Wir werden dreimal satt, also im wahrsten Sinne des Wortes. Irgendwann gibt es dann so eine kleine Abendunterhaltung, bei der ein Mann trommelt und vier Frauen dazu singen bzw. sich bewegen. Zu unserer Ãœberraschung taucht plötzlich Saleem auf und gesellt sich einfach zur Abendunterhaltung. Tagsüber also Samariter, abends dann Vortänzer. Klasse Typ!

1001 Nacht – Millionen Sterne

Eine der Besonderheiten der Wüste? Sobald es dunkel wird, gibt es keine störenden Lichtquellen von irgendwelchen Städten mehr, das Ergebnis: Faszination Sternenhimmel! Wir befinden uns im besten Planetarium der Welt. So viele Sterne haben wir in unserem Leben noch nie gesehen, es müssen Millionen kleiner Lichter am Himmel sein. Großer Wermutstropfen für mich: Das brillante Gemälde kann leider nicht technisch festgehalten werden. Übrigens, nachts wird der Wüstensand richtig kalt.

Die Nacht geht zu Ende, die Sonne spitzelt wieder über die Dünen, aber diesmal auf der anderen Seite des Camps. 🙂 Wir haben gut geschlafen. Es waren nachts ca. 14 Grad und die Wolldecke war schon notwendig. Das Frühstück ist wieder mehr als reichlich und qualitativ bestens. Wir genießen noch bisschen die Stimmung am Pool und entspannen. Leider, leider, leider bleibt auch hier die Uhr nicht stehen und wir müssen wieder los. Am Eingang finden wir unseren Freund Saleem in bester Stimmung und er ist sogar viel zu früh da. Diesmal hat er seinen „Brother“ dabei, der aber für uns eher sein Sohn sein könnte / sollte. Egal. Heute gibt es gar keine richtigen Rettungseinsätze, da sich entweder alle Autos bewegen, schon repariert werden (Reifenwechsel) oder aktuell unreparierbar sind (Achsenbruch). So frägt er, ob wir was dagegen haben, wenn er kurz Pause macht. So halten wir bei einem anderen Camp ohne Besucher und ein netter Bangladeschi empfängt uns total gastfreundlich. Wir bekommen Kaffee, Bananen und Datteln. Ich finde ein Prospekt über eine Wüstenquerung mit Kamelen, also als Wanderung. Ist wohl ein großes Projekt hier im Oman demnächst, das auch verfilmt werden soll. Saleem fährt uns anschließend zu unserem Auto zurück. Wir verabschieden uns von ihm, seinem Bruder und der Wüste. Ein gigantisches Erlebnis! SHUKRAN (Danke)!!!

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