Finnland


      Keine Kommentare       Daniel       AllgemeinReise-Berichte      


Dieses Mal stand Finnland auf meinem Reiseplan. Das Land der tausend Seen, weshalb wir uns auch f├╝r eine mehrt├Ągige Kanu-Tour entschieden haben. Wir sind dieses Mal Julian, ein langj├Ąhriger Freund und Mitbewohner von mir und ich (Daniel). Der grobe Reiseplan war wie folgt: Ankunft in Helsinki am Flughafen, von dort direkt weiter mit dem Zug nach Mikkeli, nach einer ├ťbernachtung sofort mit dem Bus bis nach Puumala weiter. Dort sind wir dann von Hartmut, einem Deutschen, der bereits seit ├╝ber drei├čig Jahren ein Kanu-Camp nicht weit von Puumala besitzt, mit dem Auto abgeholt worden. Es folgte eine 5-t├Ągige Kanu-Tour, eine anschlie├čende R├╝ckreise mit Bus und Zug nach Helsinki, wo wir dann noch einen 3-t├Ągigen Aufenthalt hatten, bevor es mit dem Flugzeug wieder zur├╝ck nach M├╝nchen ging. Soviel mal vorab als kurze Zusammenfassung. Nun aber etwas detaillierter.

 

Freitag – 06. Juni 2014

In Helsinki am Flughafen angekommen sind wir gleich mit dem n├Ąchsten Bus nach Tikkurila gefahren, da Helsinki so gesehen einen Umweg zum eigentlichen Ziel darstellte. Das Zug fahren an sich hab ich als sehr positiv und angenehm empfunden, meinem Empfinden nach ist es auch sehr preiswert und komfortabel. Ein nettes Detail war die Spielecke des Zuges. Ein oberes Abteil eines ganzen Wagens war n├Ąmlich f├╝r Familien mit Kindern umgebaut. Dort gab es dann eine Rutsche, eine Ritterburg, eine Lokomotive und viele Kinderb├╝cher. Nach einem Umstieg und nicht ganz zwei Stunden Fahrt waren wir in Mikkeli angekommen, der Provinzhauptstadt der Provinz S├╝dsavo mit ca. 55.000 Einwohnern. Dort stand ein 20-min├╝tiger Spaziergang zum Self Check-In Hotel an. Das war auch ein neues Erlebnis f├╝r mich. Ich hatte das Hotel, wie gew├Âhnlich, online gebucht. Ca. zwei Wochen vor Anreise hat mir das Hotel dann eine Mail mit dem T├╝r-Code f├╝r mein Zimmer zugeschickt. Hat alles einwandfrei funktioniert. Vorteil hierbei ist vor allem, dass man nicht bis zu einer bestimmten Uhrzeit eingecheckt haben muss. Nach erfolgreichem Check-In sind wir dann noch ins Stadtzentrum eine Kleinigkeit essen und ein paar Bier trinken.

 

Samstag – 07. Juni 2014

Nach einer schnellen Dusche und dem Zusammenpacken unserer sieben Sachen sind wir wieder in Richtung Bahnhof gelaufen. Auf dem Weg dorthin haben wir noch in einer B├Ąckerei kurz Halt gemacht, um eine Kleinigkeit zu fr├╝hst├╝cken. Neben dem Bahnhof war auch gleich der Busbahnhof zu finden. Samstags fuhr hier auch nur ein Bus bis nach Puumala, was vielleicht auch schon ein Hinweis darauf war, dass wir von nun an in struktur├Ąrmere Gegenden vordrangen. Nach einer guten Stunde, ohne eine wirkliche Stadt durchquert zu haben, hatten wir Puumala erreicht. Dort hat uns dann auch schon Hartmut erwartet, mit dem wir noch kurz f├╝r unsere Tour Lebensmittel einkaufen waren und anschlie├čend zum Camp Laajalahti gefahren sind. Laajalahti ist finnisch und bedeutet so viel wie „weite Bucht“. Im Camp angekommen hat uns Hartmut erst einmal herum gef├╝hrt und uns alles gezeigt. Das Camp besteht aus einer gro├čen Grillh├╝tte, einer Rezeptionsh├╝tte, einigen kleineren H├╝tten zur Vermietung und Hartmuts H├╝tte, die wohl sch├Ânste. Ach ja, und nicht zu vergessen, der Sauna-H├╝tte und den Bio-Toiletten. Flie├čend Wasser und Strom gibt es nicht. Einen Generator habe ich zwar gesehen, aber der ist vermutlich nur f├╝r den Eigenbedarf. Das Camp an sich ist direkt im Wald und an einer breiten Bucht gelegen, wie der Name schon sagt. Nachdem uns Hartmut alles gezeigt hatte und uns schon mal die wasserdichten Beh├Ąlter f├╝r die Kanu-Fahrt gegeben hatte, sind wir erst mal in die Grillh├╝tte, um diese dort mit unserem Hab und Gut zu bef├╝llen. Jeder hatte ein 50 Liter Fass f├╝r Kleidung, Schlafmatte und Schlafsack, sowie ein kleines Fass f├╝r pers├Ânliche Dinge, wie Fotoapparat, Handy und Geldbeutel. Au├čerdem hatten wir eine gro├če Alubox f├╝r unsere Lebensmittel. Danach trafen wir uns vor der Sauna, die Hartmut w├Ąhrenddessen f├╝r uns vorbereitet hatte. Eine original finnische Sauna mit holzbefeuertem Ofen. Genial! Drei Saunag├Ąnge haben wir gemacht, wobei wir nach jedem einzelnen in den nur ca. drei Meter entfernten kalten See gesprungen sind. Zwischendurch haben wir uns selbstverst├Ąndlich mit einem k├╝hlen Bier vor der Saune auf ein B├Ąnkchen gesetzt, um uns zu erholen. Aufg├╝sse gab es nat├╝rlich auch. Zuerst einen mit Eukalyptus und anschlie├čend, typisch Finnisch, mit Teer. Nach diesen Anstrengungen sind wir zur├╝ck in die Grillh├╝tte, um uns mit Hartmut ein paar Steaks zu braten. Wir haben die Steaks geliefert, Hartmut die Nudeln. Perfekt. Mit ein paar weiteren Bieren haben wir den Abend ausklinken lassen. Die letzte Nacht innerhalb von vier W├Ąnden. Inklusive war das ununterbrochene Summen der hei├čhungrigen Moskitos, welchen wir schutzlos ausgeliefert waren…

 

Sonntag – 08. Juni 2014

Nach einem bescheidenen Fr├╝hst├╝ck, bestehend aus einem Schokoriegel, einer Scheibe Vollkornbrot und einem starken Kaffee, sind wir in Richtung Rezeptionsh├╝tte losmarschiert, um┬á Hartmut heraus zu klingeln. Dort ist tats├Ąchlich eine Klingel angebracht, die im ganzen Camp zu h├Âren ist, falls Hartmut mal unauffindbar ist. Als das ganze Kanuequipment im Kanu verstaut war, nat├╝rlich inklusive unserer Ausr├╝stung, haben wir noch eine kurze Paddel-Instruktion von Hartmut erhalten und dann ging’s auch schon los, mit dem Kanu durch das Saimaa-Gebiet. Erster Halt war eine kleine, einsame Insel, an der Juli gleich mal sein Angelk├Ânnen unter Beweis stellen wollte. Und siehe da, keine 20 Minuten sp├Ąter hat er einen 64cm-langen Hecht heraus gezogen. Die Freude war riesig und das Abendessen somit auch gesichert. Die Kanutour konnte also ruhigen Gewissens weitergehen. An diesem Tag hatten wir noch kein bestimmtes Ziel vor Augen. Wir hatten uns eh dazu entschlossen in der n├Ąheren Umgebung zu bleiben und nicht bspw. eine Tour zu machen, bei der man pro Tag so und so viele Kilometer zur├╝cklegen muss. Das hat zum einen den Hintergrund, dass wir vielleicht auch mal einen halben Tag an ein und demselben Ort verweilen wollen und nicht immer unter dem Druck stehen m├Âchten, weiter paddeln zu m├╝ssen, um wieder rechtzeitig am Camp anzukommen. Zum anderen sind wir auch ganz einfach keine Paddelprofis, die richtig einsch├Ątzen k├Ânnen, wie weit sie an einem Tag kommen. Au├čerdem k├Ânnte das Wetter ja auch mal nicht unbedingt paddelfreundlich sein. Generell haben wir uns sagen lassen, dass man mit dem Kanu so ca. 20km pro Tag schaffen kann. So sind wir an zahlreichen Inseln vorbei, haben kleine und gro├če Seebecken durchquert, bis es an der Zeit war einen geeigneten Schlafplatz zu finden. Das ist leichter gesagt als getan. Bis zu diesem Zeitpunkt sind wir zwar noch keiner Menschenseele begegnet, klar ist uns mal ein Boot entgegen gekommen, aber auch das war eher die Ausnahme. Vielmehr ist das Problem, das glaube ich jeder Finne ├╝ber ein bis f├╝nf H├╝tten direkt am See verf├╝gt. Wir wollten ja nicht direkt neben einer H├╝tte zelten. Diese waren zwar meist noch unbewohnt, da es sich dabei in der Regel um Ferienh├╝tten handelt und wir noch au├čerhalb der Hauptsaison unterwegs waren. Aber wie bereits erw├Ąhnt wollten wir am liebsten auf eine einsame Insel. Au├čerdem schreibt auch das Jedermannsrecht vor, dass man quasi ├╝berall f├╝r eine Nacht zelten darf, aber man nat├╝rlich die Privatsph├Ąre anderer ber├╝cksichtigen muss. Darauf legt der Finne, laut Hartmut, auch sehr viel wert. Das hei├čt so viel wie eben nicht direkt neben einer fremden H├╝tte ├╝bernachten. Nach zwei vergeblichen Anl├Ąufen war die dritte Insel wie gemacht f├╝r uns. Diese hatte eine kleine Bucht, in der sich ein Felsen flach ins Wasser legte. Dort gingen wir an Land. Am Felsen haben wir uns ein Feuer gemacht, auf dem wir sp├Ąter auch unseren Hecht zubereitet haben. Ein paar Meter weiter hinten haben wir unser Zelt aufgeschlagen. Zum Hecht gab es an diesem Abend Salzkartoffeln und Tomatensalat. Ich w├╝rde sagen, so kann man mal einen Abend verbringen.

 

Montag – 09. Juni 2014

Ach ja, vielleicht noch erw├Ąhnenswert, der wohl unn├╝tzlichste Ausr├╝stungsgegenstand auf dieser Reise? Kommt jemand darauf? Die Taschenlampe. Da wir noch vor Mittsommer sind wird es n├Ąmlich ├╝berhaupt nicht dunkel. Und damit meine ich, wirklich gar nicht. Es d├Ąmmert zwar eine geraume Zeit, aber wirklich Nacht wird es dabei nie. An diesem Morgen haben wir aufgrund mangelnder Qualit├Ąt und Vorhandensein des Brennholzes ein sparsames Fr├╝hst├╝ck zu uns genommen. Nachdem wir unser gesamtes Equipment zusammen gepackt und wieder im Kanu verstaut hatten, ging die Tour weiter. Keine halbe Stunde sp├Ąter mussten wir leider unsere Fahrt aufgrund eines aufziehenden Gewitters unterbrechen. Auf k├╝rzestem Weg sind wir an Land gegangen und haben Schutz auf der Terrasse einer noch unbewohnten H├╝tte gesucht. Das Gewitter war recht schnell vor├╝ber gezogen, aber es war uns dann doch noch etwas zu st├╝rmisch um weiter zu paddeln. So haben wir uns dann noch einen kleinen Snack zubereitet und uns die Zeit mit erfolglosem Angeln vertrieben. Als die Wetterlage dann wieder besser war, sind wir weiter gezogen. Fest im Visier eine kleine Insel inmitten eines gro├čen Seebeckens, die auf unserer Karte als gute ├ťbernachtungsm├Âglichkeit von Hartmut gekennzeichnet war. Wie sich einige Paddelzeit sp├Ąter herausstellte, war dieser Tipp von Hartmut perfekt f├╝r unsere Zwecke geeignet. Sehr mittig an der Insel angelegt ging es ein paar Meter hinauf zu einem Platz, der einfach perfekt f├╝r ein Zelt und eine Feuerstelle war. Zur einen Seite davon erstreckten sich Felsen ein paar Meter h├Âher gen Himmel. Die andere Seite des Lagerplatzes war mit Wald ges├Ąumt. Hoch oben auf den Felsen hatte man einen gigantischen Ausblick. Solange ich unser Bett hergerichtet und Feuer entfacht habe, hat Juli uns sehr erfolgreich Abendessen in Form eines 59cm-langen Hechtes und einer kleinen Rotfeder geangelt. So ging ein weiterer Tag rasch und ereignisreich zu Ende.

 

Dienstag – 10. Juni 2014

Anzumerken ist noch, dass das Wetter mit Ausnahme des kurzen Gewitters bisher richtig gut war. Hei├čt so viel wie bis zu 25 Grad Celcius und ├╝berwiegend Sonnenschein. Wir haben uns sagen lassen, dass das f├╝r Anfang Juni in Finnland sehr gut ist. Da teilweise um diese Jahreszeit nachts noch mit Minusgraden zu rechnen ist. Nichtsdestotrotz war es an diesem Morgen sehr bew├Âlkt und etwas st├╝rmisch. Nach einem nahrhaften Fr├╝hst├╝ck in Form von selbstgemachtem Brot mit den verschiedensten N├╝ssen und wer mag, gef├╝llt mit Blaubeeren, dazu Kaffee und R├╝hrei, hinderte uns auch der st├Ąrkste Sturm nicht weiter zu fahren. Anfangs, gesch├╝tzt von Inseln und in „Meerengen“, war es noch ein Kinderspiel, als wir dann aber ein gro├čes Seebecken durchqueren mussten war es eine richtige Herausforderung. Wellen mit einer gef├╝hlten H├Âhe von zwei Metern hie├č es zu durchbrechen. F├╝r uns als Profikanuten und unser hochseetaugliches Kanu war dies aber kein wirklich nennenswertes Hindernis. Inmitten des Seebeckens war eine kleine Inselgruppe, zwischen der es etwas ruhiger war. Dort haben wir dann, mit den Kr├Ąften am Ende, eine Pause eingelegt. W├Ąhrend wir dort etwas Nahrung zu uns nahmen, klarte es auf und das Wetter hat wieder gewohnte Ausma├če angenommen. So konnten wir unser heutiges Tagesziel, die Lagune Enolampi, entspannt in Angriff nehmen. Den Eingang zur Lagune findet man wohl auch nur, wenn man wei├č, dass diese dort sein muss. Dieser ist gerade mal 5 Meter breit und von Schilf ges├Ąumt. Au├čerdem ist hier der Einlass nur f├╝r nicht motorisierte Boote erlaubt. Das Wasser ist sehr still darin und soll ein paar Grad w├Ąrmer sein als in der restlichen Seenplatte. Na ja, wenn man ganz fest daran glaubt vielleicht. Trotzdem war die Lagune wundersch├Ân, dazu beigetragen hat nat├╝rlich auch das super Wetter. Wir haben dort angelegt, um eine Pause zu machen und um ein wenig zu angeln. F├╝r ein Lager wurde der Platz unseren Anspr├╝chen jedoch nicht gerecht, weshalb wir wenig sp├Ąter weiter paddelten. Nach einer guten Stunde hatten wir bereits zwei Inseln erfolglos angefahren und nur noch wenig Lust weiter zu paddeln. Aber die beiden Inseln waren einfach zu dicht bewachsen, um dort ruhigen Gewissens Feuer machen und anst├Ąndig das Zelt aufbauen zu k├Ânnen. Also haben wir die n├Ąchste Insel angepeilt, diese musste dann einfach besser sein. Wir sind dem Ufer immer n├Ąher gekommen, als es dann pl├Âtzlich passierte. Es ragten einige Felsen aus dem Wasser empor, von weitem konnten wir schon etwas auf einem dieser Felsen sitzen sehen. Und ja, es bewahrheitete sich, auf einem dieser Felsen sa├č tats├Ąchlich eine S├╝├čwasserrobbe. Ganz langsam und fast lautlos konnten wir bis auf ein paar Meter an sie herankommen, bis sie uns dann schlie├člich registriert hatte und vom Felsen elegant ins Wasser glitt. Ich muss ganz ehrlich sagen, es ist ein wundervolles Erlebnis einem solchen Tier in seiner urspr├╝nglichen Umgebung zu begegnen. Somit konnte der Lagerplatz nur noch super werden. Und das war er dann auch, die Insel war zwar deutlich gr├Â├čer als die der beiden N├Ąchte zuvor, aber trotzdem verlassen und einsam. Genau wie von uns erw├╝nscht. Gut angelegt an der Insel begann die all abendliche Routine mit Nachtlager aufbauen, Feuer machen und essen besorgen. Heute stand Barsch auf dem Speiseplan.

 

Mittwoch – 11. Juni 2014

Diesen Tag haben wir auch wieder langsam mit einem ausgiebigen Fr├╝hst├╝ck starten lassen. Wir sind ja schlie├člich im Urlaub. Heute hatten wir nur eine sehr kurze Etappe vor uns, da wir wieder an einem von Hartmut auf der Karte gekennzeichneten Platz ├╝bernachten wollten. Als wir diesen so gegen 16 Uhr erreicht hatten, stellten wir zu unserer Begeisterung fest, dass es sich dabei um eine sehr sch├Âne Bucht mit Sandstrand handelte. Au├čerdem ging es sehr flach in den See hinein, weshalb diese Stelle pr├Ądestiniert zum Baden war. Das Wetter war weiterhin einfach traumhaft. Da soll noch einer sagen, dass das Wetter im Norden immer schlecht w├Ąre. Sogar Sonnencreme habe ich gebraucht. Okay, daf├╝r bin ich vielleicht auch nicht der richtige Ma├čstab. Egal, jedenfalls haben wir das Kanu abgeladen und sind ab zum Baden. Sp├Ąter haben wir dann das ├╝bliche Abendritual vollzogen und ich habe mich noch etwas diesen Beitr├Ągen hier gewidmet. Eines muss an dieser Stelle noch erw├Ąhnt werden. Viel Zeit bedeutet beim Angeln nicht unbedingt viel Ertrag.

 

Donnerstag – 12. Juni 2014

Wie schnell die Zeit verstreicht, es begann schon unser letzter Paddeltag. Hei├čt im Detail, dass wir nochmals gem├╝tlich gefr├╝hst├╝ckt haben und anschlie├čend wieder einmal unser Kanu beladen haben. Das ├╝brigens mit bis zu 400kg beladen werden kann. Genau handelte es sich dabei um ein Linder 3-Personen Alu Kanadier. Auf die mittlere Sitzbank wurde jedoch verzichtet, um mehr Gep├Ąck mitf├╝hren zu k├Ânnen. Im Nachhinein h├Ątten wir vermutlich auch lieber noch eine Palette Bier mehr mitgenommen. Die Wegstrecke zum Camp war nicht mehr allzu lange. Wie sich sp├Ąter herausstellte war das aber auch gut so, da es kurz nach unserer Ankunft den ganzen Tag nur noch geregnet hat. Highlight der letzten Paddelstunden war zweifelsohne die Durchquerung einer relativ engen Passage zwischen zwei Inseln. Auf der Karte war diese gut und deutlich zu erkennen, in der Realit├Ąt hingegen war die Passage von Schilf ├╝berwuchert. Da wir nur sehr ungern denselben Weg ein zweites mal begehen, sind wir geradewegs durch das Meer aus Schilf gewatet, ich meine selbstverst├Ąndlich gepaddelt. Keine zwei Stunden sp├Ąter hatten wir auch schon das Camp erreicht. Nun hie├č es Kanu abladen, Kanu auswaschen, Kanu aufbocken, Kanu Equipment alles zur Rezeptionsh├╝tte bringen und unser Zeug erstmal in die Grillh├╝tte verladen. Nach diesen Anstrengungen haben wir uns erst einmal eine Sauna geg├Ânnt, die Hartmut f├╝r uns schon mal aufgeheizt hatte. Nach der Sauna haben wir uns noch eine Kleinigkeit zu Essen zubereitet und haben den Abend, mit dem von Hartmut noch kurzfristig besorgten Bier, ausklingen lassen. Da wir in der ersten Nacht in der Grillh├╝tte gef├╝hlt den ganzen Wald und seine Bewohner mit Blut versorgt hatten, habe ich mir geschworen die letzte Nacht im Camp im Zelt zu verbringen und nicht in der Grillh├╝tte zu schlafen. Einziges Problem: Es handelte sich dabei um die letzte Nacht, die wir im Zelt verbringen wollten und es regnete schon den halben Tag. D.h. ich wollte das Zelt nur sehr ungern nass einpacken, da ich nicht wirklich eine M├Âglichkeit hatte dieses noch vor der Heimreise irgendwo zu trocknen. Einzige L├Âsung: Zelt in der Grillh├╝tte aufbauen. ­čÖé Somit blieb das Zelt trocken und wir waren gesch├╝tzt vor den l├Ąstigen Blutsaugern.

 

Freitag – 13. Juni 2014

An diesem Morgen hie├č es fr├╝h aufstehen, denn um sieben Uhr musste uns Hartmut schon nach Puumala fahren, da er sich bereits um acht um seine anderen G├Ąste k├╝mmern musste. Wir h├Ątten dann gleich einen Bus um 7.30Uhr nach Mikkeli nehmen k├Ânnen, haben uns aber f├╝r einen Bus sp├Ąter um 9.30Uhr entschieden, da wir mal wieder ein zivilisiertes Fr├╝hst├╝ck zu uns nehmen wollten. In Mikkeli hatten wir dann nochmals 2 Stunden Wartezeit bis der Zug nach Helsinki losfuhr. Diese Wartezeit haben wir dann mit einem zweiten Fr├╝hst├╝ck im Bahnhofscaf├ę ├╝berbr├╝ckt. Nach fast drei Stunden Zugfahrt sind wir dann endlich an unserem Ziel angekommen: Helsinki. Noch etwa f├╝nfzehn Minuten Fu├čweg und nur noch der Check-In im Hostel stand zwischen uns und unserer ersten richtigen Dusche seit mehr als f├╝nf Tagen. Ich kann es gar nicht in Worte fassen, wie gut sich das angef├╝hlt hat. Ich meine durch das viele Wasser konnte man dort nat├╝rlich immer mal kurz hinein springen und sich wieder erfrischen und etwas sauber machen, aber duschen mit richtigem Shampoo und richtigem Duschgel ist einfach etwas ganz anderes. Vor allem kann man das Wasser in der Regel warm drehen. ­čÖé Anschlie├čend sind wir dann noch richtig lecker und auch etwas nobel essen gegangen, hatten wir uns ja schlie├člich verdient. Helsinki ist bekanntlich nicht die g├╝nstigste Stadt, was sich unter anderem in den Preisen f├╝r Essen und Trinken in Bars und Restaurants wiederspiegelt. Wenn man in einer Bar f├╝r ein Bier (0,5l) f├╝nf Euro bezahlt ist das schon sehr g├╝nstig. Unser pers├Ânlicher Spitzenwert lag bei 8,60ÔéČ f├╝r ein Bier. Na ja, was soll es, wir hatten ja die letzten f├╝nf Tage nicht mal die M├Âglichkeit irgendwo f├╝r irgendetwas Geld auszugeben. Nach dem Essen haben wir dann also noch die Pubkultur in Helsinki ausgekostet. Allzu alt sind wir dabei heute aber nicht mehr geworden, da wir ja auch schon sehr lange auf den Beinen waren.

 

Samstag – 14. Juni 2014

Heute gab es zum Fr├╝hst├╝ck reichlich viel vom Buffet, sodass wir uns am liebsten gleich wieder schlafen gelegt h├Ątten. Aber nein, heute stand auf unserem Plan die Stadt ausgiebig zu erkunden. Uns wurde auch relativ schnell klar, dass das Zentrum von Helsinki sehr ├╝berschaubar ist und man alles zu Fu├č erkunden kann. So sind wir zuerst einmal Richtung Hafen marschiert, ohne ein wirkliches Ziel vor Augen zu haben. Dort sind wir dann einfach eine Weile am Meer entlang spaziert, weil das Wetter auch einfach wieder traumhaft war. Eine gute zeitlang sp├Ąter haben wir uns dann an einem kleinen Verkaufsstand einen Kaffee geg├Ânnt, bevor wir dann in Richtung Marktplatz losmarschiert sind. Dort angekommen sind wir zuerst durch das Geb├Ąude des alten Marktes geschlendert, in welchem sich ein Verkaufsladen nach dem n├Ąchsten einreiht. ├ťberwiegend gibt es dort frischen Fisch, jeglicher Art, Farbe und Form zu kaufen, aber auch Brot, Geb├Ąck, Fleisch, Wurst und Gem├╝se. Sehr zu empfehlen sind die frischen Fischbr├Âtchen, die es dort auch zu kaufen gibt. Au├čerhalb des Geb├Ąudes, ein paar Meter weiter, sind dann unz├Ąhlige Pavillons und Zelte aufgebaut, die weitere Marktst├Ąnde beherbergen. Dort gibt es dann wiederum viele Lebensmittel zu kaufen und viele, mehr oder weniger n├╝tzliche, Dinge jeglicher Art. Au├čerdem wird hier gegrillt und gebrutzelt was das Zeug h├Ąlt. Fisch, Gem├╝se, Kartoffeln, Rentier-Hackb├Ąllchen und W├╝rste, so viel kann man einfach gar nicht essen. Ach ja, kleiner Tipp am Rande, sollte man in den Genuss kommen dort etwas zu essen, sollte man das am besten in einem der Zelte machen, da die M├Âwen dort absolut keine Menschenscheu kennen und einem Wort w├Ârtlich aus der Hand fressen, ob gewollt oder ungewollt. Nach einem k├Âstlichen Mahl dort sind wir dann weiter an die nicht weit entfernte Kathedrale oder besser gesagt zu den Kathedralen. Es gibt n├Ąmlich zwei dieser gigantischen Bauten in unmittelbarer N├Ąhe zueinander und zum Marktplatz. Die eine liegt direkt am Senatsplatz und wird der Dom von Helsinki genannt. Sie ist eine evangelische Kirche und die Kathedrale des lutherischen Bistums Helsinki. Etwas weiter westlich befindet sich dann die Uspenski-Kathedrale, welche noch aus der Zeit stammt, als Russland ├╝ber Finnland „herrschte“. Sie ist die Kathedrale der finnisch-orthodoxen Di├Âzese Helsinki und somit eine orthodoxe Kirche. Welches nun die sch├Ânere Kathedrale ist, muss wohl jeder f├╝r sich selbst entscheiden. Ich pers├Ânlich finde beide von au├čen sehr beeindruckend, der Innenraum jedoch gef├Ąllt mir bei der Uspenski-Kathedrale besser. Nachdem wir nicht weit vom Marktplatz noch eine Weile einem kostenlosen Konzert gelauscht hatten, haben wir uns auf den R├╝ckweg zum Hostel gemacht, um uns f├╝r den Abend schick zu machen. Heute gab es frische Falafel bei Fafa’s zum Abendessen, keine f├╝nf Gehminuten vom Hostel entfernt. Wirklich empfehlenswert, bezahlbar und richtig lecker. Anschlie├čend haben wir zahlreiche Pubs im Zentrum Helsinkis besucht und deren Biere gekostet. Letztendlich sind wir dann wieder im Pub Pete direkt gegen├╝ber von unserem Hostel h├Ąngen geblieben. Dort haben wir einen Finnen und zwei Iren kennengelernt, mit denen wir bis zum bitteren Ende geblieben sind und noch einige finnische, hochprozentige Spezialit├Ąten zu uns genommen haben. Unter anderem Salmiakki, der weltbekannte finnische Lakritzlik├Âr.

 

Sonntag – 15. Juni 2014

Nach der ausgiebigen Feierei tags bzw. nachts zuvor, kam es nat├╝rlich v├Âllig unerwartet und ├╝berraschend, dass wir heute das Fr├╝hst├╝ck verschlafen haben. ­čÖé So sind wir gegen die Mittagszeit etwas ├╝bellaunig losgezogen, um irgendwoher einen Kaffee und etwas Essbares aufzutreiben. Danach ging es dann etwas bergauf mit uns, aber wirklich imstande gro├č etwas zu unternehmen waren wir dennoch nicht. So sind wir noch eine Weile im Hostel herum gelungert, um gegen Abend noch auf ein paar k├╝hle Getr├Ąnke und zwei richtig leckere Burger mit Pommes Frites loszuziehen. Der Tipp mit dem Burger-Restaurant kam von Olli, dem Finnen vom Vorabend und war ein wirkliches Highlight an diesem Tag. So ging unser letzter Abend in Finnland still und leise zu Ende.

 

Montag – 16. Juni 2014

Noch einmal verschliefen wir unser Fr├╝hst├╝ck nicht und waren p├╝nktlich um acht wach, um ausgiebig zu fr├╝hst├╝cken. Bis elf Uhr waren unsere Sachen dann zum letzten Mal gepackt und wir geduscht, um rechtzeitig auschecken zu k├Ânnen. Da wir noch ein paar Stunden Zeit hatten ehe wir uns Richtung Flughafen aufmachen mussten, sind wir nochmals zu den Kathedralen gelaufen und haben anschlie├čend nochmals einen Fischwecken auf dem alten Markt zu uns genommen. Das war unsere Weise, um uns vom sch├Ânen Helsinki zu verabschieden. Dann hie├č es auch schon zum Busbahnhof aufzubrechen, um von dort aus mit dem Bus zum Flughafen zu gelangen. Dieser f├Ąhrt alle 10-20 Minuten und kostet lediglich f├╝nf Euro pro Person. So ging ein weiterer, sehr ereignisreicher Urlaub zu Ende. Gr├Â├čtes Highlight war wohl die Begegnung mit der S├╝├čwasserrobbe, da wir uns mehrmals haben sagen lassen, wie selten eine solche Begegnung ist und vor allem, wie unwahrscheinlich es ist, so nahe an eine heranzukommen.

 

 

Warst du schon einmal in Finnland? Erz├Ąhle uns doch von deinem Finnland-Abenteuer!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht ver├Âffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert