Saigon – Ho-Chi-Minh-City


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Cu Chi Tunnel

Unsere letzte Station wird gleichzeitig die grĂ¶ĂŸte Stadt in Vietnam sein, wir bereisen das im SĂŒden gelegene Saigon oder Ho Chi Minh City, wie es heute offiziell heißt. Saigon hat noch einiges zu bieten. Von wegen auf die faule Haut legen.

[Mathias] Wir wollen die Liste unserer Fortbewegungsmittel innerhalb Vietnams noch vervollstĂ€ndigen und entscheiden uns diesmal fĂŒr den Sleeping Bus. So haben wir innerhalb Vietnams eigentlich so gut wie alle Verkehrsmittel getestet, dabei waren Zug (Nachtzug und am Tag), Bus, Taxi, normales Auto, Schiff, Boot und Roller. Das Fahrrad hĂ€tten wir in Hoi An noch genommen, wenn es nicht 3 Tage so heftig geregnet hĂ€tte. Da die Fahrt nach Saigon in etwa 5 Stunden dauert und wir weder mitten in der Nacht losfahren, noch ankommen wollen, entscheiden wir uns fĂŒr den MittagsschlĂ€fchen-Bus. 🙂

In den Bus eingestiegen, muss man erst mal die Schuhe ausziehen. An unserem Platz angekommen, finden wir in der unteren Reihe die Fenster- und die Mittelliege vor. Die RĂŒckenlehne kann man entweder auf ca 120 oder 150 Grad Neigung einstellen. Man liegt also nicht komplett flach, sondern mit dem Oberkörper leicht erhöht. Decken, Kissen und Wasser werden zur VerfĂŒgung gestellt. Ich bin mit der Fahrt sehr zufrieden und liege eigentlich ganz bequem. Eine komplette Nacht mĂŒssen wir aber beide erst mal nicht im Bus verbringen.

Ankunft in Saigon

Nach 5 Stunden Fahrt kommen wir in Saigon an. Auf dem Weg fĂ€llt uns auf, die Straßen sind hier noch breiter und grĂ¶ĂŸer als im Rest des Landes, dementsprechend gibt es auch noch mehr Verkehr. Die Luftverschmutzung ist gefĂŒhlt aber nicht so dramatisch, warm ist es aber auch nachts noch ziemlich. In Saigon hat es laut Guide auch nur zwei Jahreszeiten: Trockenzeit (heiß) und Regenzeit (auch heiß). Die Durchschnittstemperatur ĂŒber das ganze Jahr betrachtet, liegt bei 27 (!) Grad. Im ganzen Gebiet von Saigon leben 7,1 Millionen Menschen und wir mitten unter ihnen.

Das Hotel ist ganz ok. Nach einer kurzen Erfrischung ziehen wir los in die Stadt und gehen zur Nahrungsaufnahme ĂŒber. Anschließend fĂŒhrt uns meine SpĂŒrnase einfach spontan zum höchsten GebĂ€ude der Stadt, in der Hoffnung, dort die Aussicht genießen zu können. Nach einigem Fussmarsch durch teils merkwĂŒrdige Gassen, stehen wir vor dem Bitexco Financial Tower und dĂŒrfen fĂŒr  je 200.000 Dong zum Skydeck im 49.ten Stock fahren. Das GebĂ€ude ist optisch der Lotusblume angepasst, jedenfalls diente die Pflanze als Vorbild zum Bau. Das GebĂ€ude ist 262 Meter hoch und hat insgesamt 68 Stockwerke. Innen kann man praktisch eine 360 Grad Aussicht bewundern. Irgendwie sehen nachts so riesige StĂ€dte mit den vielen Lichtern doch immer beeindruckend aus, oder? Wir fĂŒhlen uns wohl und die Aussicht ist schon toll. Das wars dann fĂŒr den ersten Abend in Saigon.

Durch die Straßen Saigons

NĂ€chster Tag, neue Chance. Erst mal ausschlafen? Ne ne, ist nicht. Geht frĂŒh raus in die Stadt. Wir machen uns zu Fuß auf und versuchen einige wichtige Bauwerke der Stadt „abzugrasen“. Erster Punkt auf der Liste ist die Wiedervereinigungshalle. Das GebĂ€ude ist sehr groß und liegt sozusagen bisschen geschĂŒtzt, da er noch eine Art Park beinhaltet. Ganz frĂŒher war hier noch eine Villa aus der Kolonialzeit. Attentate auf den PrĂ€sidenten im GebĂ€ude fĂŒhrten dann zu dessen Abriss. Das jetzige GebĂ€ude ist von 1966 und hieß ursprĂŒnglich UnabhĂ€ngigkeitkeitspalast. Nach der Eroberung von Saigon folgte dann der Namenswechsel zu Wiedervereinigungshalle. Vom Inneren des Palastes lassen wir uns nicht beeindrucken und gehen weiter.

Wir laufen zur Notre Dame Kathedrale. Die katholische Kirche wurde bereits 1877 erbaut und stellt das Zentrum der katholischen Kirche in SĂŒdvietnam dar. Auf dem Platz davor ist eine sehr schöne Statue von Maria zu bewundern. Das Innere der Kirche ist aus unserer Sicht eher sehr schlicht gehalten. Vielleicht wĂ€re Prunk und Protz hier aber auch gar nicht angebracht. Trotzdem ist das GebĂ€ude hĂŒbsch anzuschauen. Wir gehen zurĂŒck ins Hotel, da der Nachmittag etwas „Großes“ mit sich bringt.

Cu Chi Tunnel

[Daniel] Um 12.30 Uhr mĂŒssen wir am BĂŒro des Reiseveranstalters sein. Da wir nicht genau wissen, wo sich dieses befindet, wir haben direkt im Hotel gebucht, bietet das Hotel an, uns dort hinzubringen. Dies geschieht nicht zu Fuß oder per Auto, wie von uns erwartet, sondern typisch vietnamesisch mit dem Motorbike. GlĂŒcklicherweise nicht zu dritt auf einem, sondern Mathias und ich dĂŒrfen jeweils auf eines hinten drauf steigen. Nach nicht mal fĂŒnf Minuten sind wir bereits am Ziel. Wir hĂ€tten definitiv zu Fuß gehen können, aber was soll’s, ein Erlebnis war es allemal, im Meer aus Rollern einzutauchen.

Mit dem Bus werden noch zahlreiche andere Touristen abgeholt, bevor es dann knapp zwei Stunden dauert, bis wir an unserem Ziel, den Cu Chi Tunneln sind. Bei diesen handelt es sich um ein gewaltiges Tunnelsystem, welches eine GesamtlĂ€nge von 200 Kilometern verteilt auf drei Ebenen hat. Entstanden ist es wĂ€hrend des Vietnamkrieges, gebaut von vietnamesischen Partisanen. Die ersten Tunnel entstanden jedoch schon im Krieg gegen die Kolonialmacht Frankreich. Damals vor allem um Waffen, VorrĂ€te und Menschen zu schĂŒtzen. Am Anfang des Vietnamkrieges erweiterten die Vietcong das Tunnelsystem dann massiv. Es entstanden ganze StĂ€dte mit Schulen, Lazaretten, BĂŒros und Schlafgelegenheiten unter der Erde.

Durch eine Art UnterfĂŒhrung gelangen wir auf das gesamte GelĂ€nde. Dort gibt es verschiedene Stationen, die unser Guide nach und nach mit uns abarbeitet. Dabei geht es nicht nur um das Cu Chi Tunnelsystem, sondern auch im Allgemeinen um den Vietnamkrieg. An der ersten Station bekommen wir einen Film gezeigt, der uns einen Überblick ĂŒber die Tunnel, den Vietnamkrieg und auch ĂŒber Einzelschicksale verschafft. Der Film ist ganz nett als Einstieg, allerdings muss man ehrlicherweise sagen, dass die Informationen im Film sehr einseitig dargestellt werden. Weiter geht es zu einem Einstieg in die Tunnel. Dieser ist wirklich nur eine Klappe aus Holz, die sehr gut mit Erde, Zweigen, BlĂ€ttern und Gras getarnt ist. Sonderlich groß bzw. breit ist der Einstieg nicht. Das Ein- oder Aussteigen ist nur möglich, indem man die Arme in die Höhe streckt. Der Guide erklĂ€rt uns, dass die EingĂ€nge zusĂ€tzlich zur Tarnung noch durch simple, aber höchst effektive Fallen geschĂŒtzt waren. Diese Fallen sind an der nĂ€chsten Station ausfĂŒhrlich dargestellt. Meist handelt es sich um getarnte Spieße, die sich auf irgendeine Weise in eine Körperstelle bohren, sobald das Opfer hineintritt oder sich setzt. Alle Fallen sind eindeutig darauf ausgelegt schwerste Verletzungen hervorzurufen oder gar zu töten. Wir schauen noch einen Panzer an und weitere Stationen, die das Leben in den Tunneln versanschaulichen, bevor es zum Schießstand geht. Ja, du liest richtig. Schießstand. Jeder Teilnehmer hat die Möglichkeit gegen Aufpreis mit scharfer Munition eine echte Waffe, die im Vietnamkrieg zum Einsatz kam, abzufeuern. Dazu gehört beispielsweise eine Kalashnikov oder das M16 Sturmgewehr. Anschließend geht es dann durch 200 Meter Tunnel, also nur wer möchte. Es ist auch möglich alle zehn, zwanzig Meter dazwischen auszusteigen. Wir gehen, robben und kriechen die gesamte Strecke. Sonderlich viel Platz ist nicht vorhanden. Und das, obwohl diese Schautunnel anscheinend fĂŒr die Touristen etwas vergrĂ¶ĂŸert wurden. Es ist wirklich unvorstellbar, wie die Vietcongs in diesem Tunnelsystem leben konnten. Als wir wieder Tageslicht erblicken ist die Tour auch zu Ende. Wir gehen zurĂŒck zum Bus, der uns wieder nach Saigon bringt. Ein weiterer Tag neigt sich so dem Ende zu.

Etwas Kultur in Saigon

[Mathias] In unserer ganz ursprĂŒnglichen Planung wollten wir an diesem Tag ins Mekong Delta fahren. Von den beiden angebotenen Touren, die hier jeder (!) Anbieter durchfĂŒhrt, hat uns keine angesprochen und so machen wir uns wieder auf in die Stadt. Wir wollen das bekannte Kriegsmuseum besichtigen. Im Innenhof des Museums befinden sich diverse Panzer, Flieger, Artillerie, Hubschrauber und sonstige Maschinen. Das Museum besteht aus drei Stockwerken, der Eintritt ist sehr gĂŒnstig. Mittags hat das Museum ĂŒbrigens geschlossen. Im Erdgeschoss gibt es hauptsĂ€chlich Souvenirs und wird gerade etwas gebaut. Im ersten Stock sind ganz viele Waffen ausgestellt, von Pistolen, ĂŒber Gewehre bis zu Raketenwerfern. Dazu werden sinngemĂ€ĂŸ die Kriegsverbrechen der Amerikaner breit getreten und mit grausamen Bildern unterlegt. Im Obergeschoss werden noch speziell die Folgen der Giftgas Attacken, speziell Agent Orange, an den Menschen mit grotesken Bildern zur Schau gestellt. Ist schon eine schwere Kost und so wirklich anschauen wollen wir das nicht. ZusĂ€tzlich gibt es noch einen Teil, in dem gute Fotos von Kriegsfotografen mit jeweils einer kleinen Geschichte ausgestellt werden. Dieser Teil gefĂ€llt uns deutlich am Besten und zeigt zum ersten Mal auch bisschen die andere Seite. Insgesamt ist die Berichterstattung schon ziemlich einseitig, aber gut, der „Gewinner“ bestimmt die Geschichte. Insgesamt ist das Museum schon sehenswert, auch wenn manche Bilder nicht fĂŒr Jedermann sind.

Unsere weitere Tour fĂŒhrt uns noch zu weiteren tollen Bauwerken, die ich hier nur auflisten möchte, ohne detailliert darauf einzugehen. ZunĂ€chst waren wir beim Post Office. Heute ist sogar noch wirklich das offizielle Postamt darin beheimatet, darin wuselt es schon noch. Innen kann man das Treiben etwas beobachten, seine Briefe und Postkarten aufgeben und natĂŒrlich Souvenirs kaufen. Von Außen wird das GebĂ€ude derzeit renoviert und frisch gestrichen. Warum auch immer, wurde ein sehr knalliges Gelb fĂŒr die neue Fassade gewĂ€hlt. Dann haben wir die Oper von Außen besichtigt. Sieht schon sehr ansprechend aus. Ins Innere der Oper kommt man nur wĂ€hrend einer Show und die nĂ€chste wĂ€re am Abend darauf gewesen, ist dann sowieso zu spĂ€t fĂŒr uns. Das Rathaus, welches wir besichtigen wollten, wirkt schon eindrucksvoll, da davor und am Platz gegenĂŒber eine riesige Baustelle ist, sind wir dort nicht wirklich lange verweilt. Stattdessen sind wir noch zum Ben Thanh Markt und haben uns dutzende StĂ€nde angeschaut, sind gefĂŒhlt 100mal angesprochen worden und haben dort einfach einige Zeit verbracht. Der Markt ist einfach riesig, aber sowas in der Art haben wir auch schon in Istanbul gesehen.

Die Zeit in Saigon war gut fĂŒr uns. Die Stadt ist relativ modern und schlĂ€ft nie. Hier ist echt immer etwas los, manchmal kann es schon leicht stressig sein, aber man muss sich (wie beim Verkehr auch) einfach treiben lassen. SehenswĂŒrdigkeiten bietet die Stadt nicht so viele und in zwei Tagen hat man wohl die wichtigsten Sachen gesehen. Aber dann kann man ja den ganzen Rest von Vietnam entdecken. Haben wir ja schon gemacht. 🙂

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