Tongariro und Taranaki – Der Schicksalsberg und Mr. Vulkan


      Keine Kommentare       Mathias       AllgemeinNeuseelandReise-Berichte      


Der Tongariro Crossing gilt als die schönste Tageswanderung in ganz Neuseeland. Bereits auf der Hinreise haben wir dort unser GlĂŒck versucht, aber der Weg war leider gesperrt. Klappt es diesmal? Außerdem entdecken wir den perfekten Vulkan und ein echtes SchmuckstĂŒck, welches weltweit angeblich zu den Top 10 gehört!

Auf unserer Liste steht der Tongariro Crossing schon lange. Es soll sich um die schönste Tageswanderung in Neuseeland handeln. Allerdings kann man diese nur bei gutem Wetter machen, da man zwischen den Bergen auf knapp 2.000 Metern herumwandert. Bei unserem ersten Versuch ist es wegen des schlechten Wetters leider ins Wasser (Eis) gefallen, auf den Gipfeln lag zu viel Schnee. Das war zunĂ€chst kein großes Problem, da wir auf unserer RĂŒckfahrt nach Auckland die Stelle sowieso erneut passieren.

So, jetzt sind wir also wieder hier. Heute wollen wir es erneut versuchen. Das Wetter sieht ordentlich aus, etwas bewölkt, aber sonst ganz freundlich und leicht windig. Wir fahren also zum Besucherzentrum im Park und fragen nach der Expertenmeinung. Klare Ansage, heute kein Crossing, da es zu windig ist. Wir geben zu, dass es bereits hier sehr windig ist und können uns vorstellen, dass es in höheren Lagen nicht ganz ungefĂ€hrlich ist. Leider wieder kein Crossing. 🙁

Ist aber ja nicht so, dass Neuseeland keine Alternativen bietet. Unsere Alternative liegt sogar ganz nah, da wir vom Besucherzentrum eine andere Wanderung antreten. Unser Weg fĂŒhrt uns zu den WasserfĂ€llen im Park. Genauer gesagt, dauert der Weg bis dorthin mehr als eine Stunde. DafĂŒr erleben wir erneut die herrliche Natur Neuseelands. Nebenbei werden wir noch entschĂ€digt und der Wolkenschleier lichtet sich, wir haben bald freie Sicht und eine sagenhafte Aussicht!

Jedem Herr der Ringe Fan schlĂ€gt das Herz jetzt höher, denn wir sind am Schicksalsberg. Genau jener Berg, zu dem Herr Frodo drei Filme lang wandert, um sich dort seines Rings zu entledigen. FĂŒr die Nicht-Fans, dieser Berg ist das „Ziel“ des Films und das große Finale spielt sich dort ab. In der Sprache der Maori heißt der Berg ĂŒbrigens Mount Ngauruhoe. Es ist ein aktiver Vulkan und ist 2291 Meter hoch. Sein Gipfel ist mit Schnee bedeckt.

Der ganze Tongariro Nationalpark ist der Ă€lteste Nationalpark Neuseelands und sogar der viert Ă€lteste Nationalpark der Welt. Bei der UNESCO trĂ€gt er sowohl den Titel Weltkultur- sowie Weltnaturerbe. Damit ist er nur einer von 23 StĂ€tten, die dies weltweit gemeinsam haben. Ganz schön beeindruckend, also nicht nur die Fakten, sondern auch die Ă€ußere Erscheinung hier live vor Ort. 🙂 Neben dem Mount Ngauruhoe sind vor Ort auch noch der Mount Tongariro und Mount Ruapehu, zwischen welchen das eigentliche Crossing verlĂ€uft.

So, wir sind jetzt aber am Wasserfall angekommen. Dieser ist ziemlich beeindruckend, als wir oben waren, verlief dort nur ein kleiner Bach, aber von unten sieht man wieder einmal, welch gewaltige Kraft hinter Wasser stecken kann. Die Wassermaßen schießen nur so am Berg hinab. Ziemlich stark! Unsere Wanderung ist ein Rundwanderweg, so nehmen wir zurĂŒck einen anderen, aber nicht minder schönen Weg. Die Aussicht am heutigen Tage entschĂ€digt uns doch sehr fĂŒr das ausgefallene Crossing.

Unser nĂ€chstes Ziel ist ein Vulkan ganz im Westen der Nordinsel. Auf dem Weg dorthin, ist es etwas abgefahren. Straßenschilder weißen uns daraufhin, dass wir den Forgotten World Highway fahren, eigentlich den State Highway 43. Das ist WIRKLICH abgefahren. Wir fahren sprichwörtlich durch den Dschungel, zuvor waren wir noch auf einer ebenen FlĂ€che unterwegs, schlĂ€ngeln uns jetzt auf einer schmalen Straße durch die blickdichten BĂŒsche und BĂ€ume. Es handelt sich hier um den am wenigsten befahrenen Highway des ganzen Landes. Das merken wir auch, wir sind ziemlich einsam unterwegs. FĂŒr den ganzen Highway brauchen wir etwa 4 Stunden. Wir passieren einen schwarzen, wirklich dunklen einspurigen Tunnel und 12 km lang fahren wir einen Schotterweg ohne Asphalt. VerrĂŒckt. Der Name Forgotten World Highway kommt durch die Abgeschiedenheit der Straße zustande. Außerdem passieren wir den Ort Whangamomona. Der Name klingt schon abgefahren, aber es wird noch besser. Der Ort ist je zur HĂ€lfte in die beiden anliegenden Verwaltungsbezirke aufgeteilt. Aus Protest darĂŒber, haben die Bewohner 1989 ihre UnabhĂ€ngigkeit verkĂŒndet und sich selbst zur Republik erklĂ€rt. Der erste PrĂ€sident der Republik wurde eine Ziege, da sie laut GerĂŒchten alle Stimmzettel auffraß. Ihre Amtszeit betrug zehn Jahre und dann ist sie friedlich gestorben. Als Nachfolger wurde ein Pudel gewĂ€hlt, der nach einem Nervenzusammenbruch zurĂŒcktrat. Die NeuseelĂ€nder haben schon einen schrĂ€gen Humor. 🙂

 

Der Forgotten World Highway bringt uns schließlich zu unserem Ziel des Tages nach Hawera im Bezirk Taranaki. Warum wir hierher gefahren sind, dazu spĂ€ter. Wir werden am Campingplatz freundlich begrĂŒĂŸt und gleich ĂŒber die besten SehenswĂŒrdigkeiten im Ort informiert. Highlight des Ortes ist eines der weltweit zehn besten Museen (laut Tripadvisor) wird uns berichtet. Unsere Neugier ist geweckt. Es handelt sich um das Tawhiti Museeum in Hawera. Wir lesen uns kurz in den Flyer ein und sind am nĂ€chsten Morgen auch schon vor Ort. 🙂

Der Besitzer heißt Nigel Ogle und er hat seiner Leidenschaft im Museum ein zu Hause gegeben. Das GebĂ€ude war frĂŒher ein alter Molkereikomplex, den er sich 1980 gekauft hat. Hier stellt er seine Leidenschaft aus. Realistische Figuren in LebensgrĂ¶ĂŸe und Dioramen. Dabei wird die Geschichte Neuseelands und der Region nachgestellt. Die Liebe fĂŒr das Detail ist umwerfend. Selten waren wir in einem solch spannenden und ungewöhnlichen Museum. Die Figuren stellen zum Beispiel alte Berufe wie Schmied oder Schuhmacher dar und die Werkstatt ist einfach sagenhaft realistisch eingerichtet. Außerdem gibt es ModellzĂŒge und altes Spielzeug zu sehen. Mr. Ogle hat alles selbst errichtet und gebastelt. Die vielen Dioramen erzĂ€hlen oft von den gewalttĂ€tigen Schlachten zwischen den verschiedenen Maori-Völkern und spĂ€ter mit den EuropĂ€ern. In den SchaukĂ€sten befinden sich jeweils bestimmt mehrere hunderte hergestellte kleiner Figuren. Bei genauerer Betrachtung fĂ€llt uns auf, dass wirklich jede Figur anders aussieht, phĂ€nomenal! FĂŒr das Gebotene ist der Eintritt mit 15 Dollar echt ein Witz, in Auckland oder Wellington wĂŒrden wir fĂŒr dieses Museum bestimmt 100 Dollar bezahlen. Außerdem gehören noch zwei riesige Hallen mit Maschinen, alten Traktoren und altem Werkzeug zur Ausstellung. Bestimmt 30 alte Traktoren ab 1920 gehören zum Inventar. Hier stehen auch richtige Vermögenswerte herum, echt klasse! Der Besitzer sitzt noch selbst im Shop und schnitzt nebenbei an etwas herum. Ich bedanke mich noch recht artig fĂŒr die tolle Unterhaltung und wir kommen kurz ins GesprĂ€ch. Mit einer Begeisterung erzĂ€hlt er mir noch, dass seine neue Ausstellung am Boxing Day öffnet, an ihr arbeitet er schon seit drei Wintern. Die Freude ĂŒber seine Eröffnung und der Stolz sind richtig fĂŒhlbar. Er hat seine Leidenschaft zu seinem Lebensinhalt gemacht und ich bin fast etwas neidisch, freue mich aber gleich mit ihm. 🙂 Ach ja, eine andere Attraktion in seinem Museum ist eine Bootsfahrt durch die Welt der Seefahrer und HĂ€ndler. Eine Bootsfahrt hat er hier gebaut, das ist doch verrĂŒckt! Leider haben wir dafĂŒr keine Zeit mehr, aber ich kann mir richtig vorstellen, wie großartig das ist. Hierbei handelt es sich wirklich um einen echten Geheimtipp in Neuseeland!

 

Der eigentliche Grund, warum wir hier in die Gegend gefahren sind, ist der Mount Taranaki. Morgens war die Aussicht auf ihn noch nicht gerade hĂŒbsch, aber jetzt, der Wettergott ist uns wieder einmal hold, ist die Aussicht traumhaft! Beim Mount Taranaki handelt es sich um einen Vulkan mit einer Höhe von 2518 Metern. Jedoch nicht irgendein Vulkan, sondern DER Vulkan, man könnte auch sagen Mr. Vulkan! Der gute alte Vesuv in Italien hat fĂŒr einen Vulkan eine nahezu perfekte Form, allerdings ist der Mount Taranaki praktisch doppelt so hoch und er hat DIE perfekte Form! Es ist außerdem der am meist bestiegene Gipfel Neuseelands, allerdings leider auch der mit den höchsten Todeszahlen. Das liegt vor allem am wechselhaften Wetter. Der Vulkan sieht klasse aus und wir wĂŒrden ihn auch zum Mr. Vulkan wĂ€hlen. Der Gipfel ist uns dann doch etwas zu gefĂ€hrlich und so machen wir eine tolle Wanderung an dessen Fuß. Mit dem Blick auf den Vulkan sieht es von unten vermutlich eh besser aus. 🙂 Die Wanderung ist echt klasse, wir durchwandern einen Bach, einen kleinen Fluss und erklimmen den steinigen Flusslauf mit den versteckten Pools. Ein Touri rutscht eine natĂŒrliche Rutsche auf den Steinen hinunter und in der Hand hĂ€lt er stolz seine GoPro (Action-Kamera). Nach dem Auftauchen steht er allerdings ohne Kamera da. 🙂 Oder fĂŒr ihn eher :-(.

WĂ€hrend das Tongariro Crossing wohl nahezu jedem Neuseeland Reisenden ein Begriff ist, kennen den Mount Taranaki und die Gegend dort herum wohl nur die Wenigsten! Obwohl die Region mit dem Forgotten World Highway und dem Tawhiti Museum in Hawera wirkliche SchmuckstĂŒcke und echte Geheimtipps parat hĂ€lt! Schaut es euch bei Gelegenheit selbst an!

 

English part:

The Tongariro Crossing is listed as the best one day hiking trip in New Zealand. The problem is the weather. Often you can’t do the Crossing because of the snow or the wind. Perhaps we could do it this time. We explore additionally the perfect volcano and one of the world best museums in the world.

We arrive in the Tongariro National Park which is the oldest national park in New Zealand and also the fourth oldest in the entire world. That is quite impressive. Today the weather fine, it is sunny, a little bit cloudy and some nice breeze. So we go straight to the visitor center and check the condition of the hiking trip. Long story short, no Crossing today, too much wind. That is so sad. It was my third attempt to do the Crossing, but the weather god is against me in this case.

It is no big deal for us to find some alternative what we can do is very easy in New Zealand. We decide to do some other walk to a very nice waterfall. During the trip we can see the three mountains located in the Tongariro National Park: Mount Ngauruhoe, Mount Tongariro and Mount Ruapehu. The most famous one is for sure Mount Ngauruhoe, which is better known as Mount Doom. It is so famous all over the world from the Lord of the Rings movies. So our hiking offers us really spectacular views on all the three mountains. This time the god of the weather is our friend again. 🙂

Our next target is Mount Taranaki. We always go with GPS system in the car. It is easy to go and no stress for the navigation. So it is nearly coincidence how we are driving to the next location. This time our system leads us on the Forgotten World Highway. This is a famous road for tourists. It is the least used highway in the country and some parts are just gravel road. Some parts are a little understatement because the gravel road covers 12 kilometers. Finally we arrive in our camping ground for tonight, the city is called Hawera.

There is one really hidden gem in Hawera: The Tawhiti museum. The owner is a guy who made his passion to the center of his life. He builds real size figures and shows the history of the region, the country and the people with them. There are also lots of small dioramas about the fights between the different Maori tribes and later the Europeans. This museum is really awesome, the passion for details is some impressive and you just want to shake the hand of the owner and say “thank you” for building all this! My deepest respect!

The Mount Taranaki is the volcano with the perfect shape! It is really round and offers such a great view. The volcano looks fantastic. We do some of the hikes near the volcano and enjoy the nature. It was really worth to come to this mountain although it doesn’t sound very spectacular, it really is! If you are nearby, don’t miss the Tawhiti museum and the Forgotten World Highway. This is a really hidden gem in New Zealand.

 

 

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