Wadi Bani Khalid – Die Touristen-Oase?


      Keine Kommentare       Daniel       AllgemeinOman      


Von den hohen Bergen und berĂŒhmt berĂŒchtigten Forts geht unsere Reise weiter Richtung Osten. Ziel unserer heutigen Autofahrt bzw. geplantes Ziel ist das Wadi Bani Khalid, wohl eines der bekanntesten Wadi’s des Sultanats.

Highlight der Autofahrt war wohl die MilitĂ€rkontrolle an einer etwas grĂ¶ĂŸeren Kreuzung mitten im Nichts. Hier wurde wirklich jedes Fahrzeug, egal aus welcher Richtung es gekommen ist, kontrolliert und von bis unter die ZĂ€hne bewaffneten Soldaten nett nach dem Ausweis gefragt. Also nicht weiter tragisch, aber fĂŒr uns schon etwas seltsam, wenn einer mit der Maschinenpistole herumhantiert, wĂ€hrend er sich mit dir unterhĂ€lt.

Was ist denn hier im Wadi los?

Der Weg zum Wadi fĂŒhrt uns wieder etwas in die Berge. Eigentlich ist der Plan, der Ausschilderung so weit zu folgen, bis wir nicht mehr weiter fahren können, also am Parkplatz vor den ersten SĂŒĂŸwasserpools ankommen. So der Plan. Leider mĂŒssen wir feststellen, dass wir hier heute nicht die Einzigen sind. Ganz im Gegenteil, ich glaube der ganze Oman möchte heute genau dorthin. Es herrscht Chaos! Genau eine Straße, an der exakt zwei Autos aneinander vorbei passen, fĂŒhrt zum Ziel. Da wir relativ spĂ€t dran sind, möchten viele bereits wieder in Richtung Dorf fahren. Rechts und links der Straße gibt es nur mittelgroße bis sehr große Gesteinsbrocken, also auch eher schlecht zum Ausweichen oder Parken, was aber niemanden sonderlich stört. Viele Omani besitzen ja glĂŒcklicherweise ein Allradvehikel, der ein oder andere ĂŒberschĂ€tzt sein Können im Lenken des Kraftfahrzeugs aber enorm. Besser als Kino! 🙂

Wir entscheiden uns daher, nachdem uns fast einer rĂŒckwĂ€rts auf unseren mittlerweile sehr geliebten Mazda 3 drauf gefahren ist, die nĂ€chstmögliche Parkoption in Anspruch zu nehmen und unseren Weg zu Fuß fortzusetzen. Nach etwa zehn Minuten erreichen wir den eigentlichen Parkplatz. Hier ist einfach die Hölle los! Weitere fĂŒnf Minuten spĂ€ter, die wir einem breiten Fußweg gefolgt sind, sehen wir den ersten, sehr großen, tĂŒrkisschimmernden Naturpool. Wirklich traumhaft! Mal abgesehen von den tausend Menschen drumherum. Ich befĂŒrchte fast, dass die Zahl Tausend nicht mal ĂŒbertrieben ist. Eher noch tiefgestapelt. Was soll’s? Da wir eh schon mal hier sind, schauen wir uns etwas genauer um. Schließlich ist der Plan ja hier ein Lager fĂŒr die Nacht zu errichten, wobei keiner von uns beiden mehr so richtig daran glaubt.

Ein neuer WeggefÀhrte?

Da es nicht mehr lange dauert bis die Nacht hereinbricht, beschließen wir uns aufzuteilen. Ich gehe weiter in das Wadi hinein, in der Hoffnung an menschenleerere Orte zu gelangen und einen guten Lagerplatz zu finden. Mathias lĂ€uft zum Auto zurĂŒck und versucht es weiter vorne parken zu können, damit wir unsere Sachen nicht so weit tragen mĂŒssen im Fall der FĂ€lle. Mein Weg wird schmaler und felsiger, ich passiere weitere, kleinere SĂŒĂŸwasserpools, die absolut kristallklares Wasser enthalten. Viele Menschen kommen mir entgegen, nur vereinzelte laufen in meine Richtung. Allerdings stelle ich mit Bedauern fest, dass ich hier heute wohl kein einsames PlĂ€tzchen mehr finden werde. Mit einem etwas unentschlossenen GefĂŒhl mache ich kehrt und laufe Mathias entgegen.

Ich gehe den Parkplatz entlang und weiter die Straße. Mittlerweile stehen hier schon deutlich weniger Autos. Plötzlich sehe ich unseren Mazda 3, der auf mich zuhĂ€lt und auch langsamer wird. Doch Halt! Was ist das? Ich war schon im Begriff die BeifahrertĂŒr zu öffnen und mich zu setzen als ich feststellen muss, dass da schon jemand sitzt. Sieht sehr indisch aus! So so! So schnell ist man also ersetzt. 🙂 Mathias klĂ€rt mich kurz auf, bevor er Richtung Parkplatz fĂ€hrt, ich folge zu Fuß. Es stellt sich heraus, dass der gute Mann mit einer KrĂŒcke unterwegs ist und mehr humpelt als geht. Wie er erlĂ€utert, ist er mit dem Fuß beim Verlassen des BĂŒros umgeknickt. Da haben wir es, der BĂŒroalltag kann sehr gefĂ€hrlich sein. 🙂 Na ja, jedenfalls war er sehr dankbar, dass Mathias ihn mitgenommen hat. Unserer Meinung ist es aber mit Sicherheit noch eine Tortur bis er bei den Pools ist. Ich erklĂ€re Mathias kurz die Lage und wir entscheiden uns nicht im Wadi Bani Khalid zu campieren, da es bereits dĂ€mmert, immer noch viel zu viele Menschen dort sind und wir unser ganzes Equipment zum Zelten und Kochen usw. noch packen und auch dorthin tragen mĂŒssten. Kurzum diese MĂŒhen wĂŒrden sich heute dafĂŒr einfach nicht lohnen.

Fully booked – Was tun?

Kurz darauf ist es dunkel, somit ist das Campen fĂŒr heute gestorben. Soeben möchte ich noch ein Hotel in Sur, dem nĂ€chstgrĂ¶ĂŸeren Ort (ca. 120 km weit entfernt) buchen, als mich die Netzabdeckung in den Bergen im Stich lĂ€sst. Als ich endlich wieder ins Internet komme ist alles ausgebucht in Sur. Nicht im Ernst oder? Wir lassen uns nicht beirren, da mit Sicherheit nicht alle UnterkĂŒnfte bei Booking gelistet sind. Außerdem was haben wir denn fĂŒr eine Alternative? Auf dem Weg nach Sur kommen nur kleine Dörfer, die meist gar keine UnterkĂŒnfte haben. An einer haben wir Halt gemacht, war allerdings auch schon ausgebucht. Irgendwie sehr komisch!

In Sur angekommen klappern wir ungelogen, „Indianerehrenwort“, ungefĂ€hr 15 UnterkĂŒnfte ab, die uns alle mit dem Hinweis „fully booked tonight“, also fĂŒr heute Nacht vollkommen ausgebucht, abweisen. Auf unserem Hotelmarathon begegnen wir öfters auch anderen, sehr verzweifelt wirkenden Personen, die wohl auch noch auf der Suche nach einer Bleibe fĂŒr die Nacht sind. Da stellt sich mir die Frage, „Was ist eigentlich heute los in diesem Sur?“. Und plötzlich fĂ€llt es uns wie Schuppen von den Augen. Uns wird mit einem Mal klar, weshalb im Wadi und auch jetzt in der Stadt einfach die Hölle los ist. Ein paar Tage zuvor hat uns noch jemand aufgeklĂ€rt, dass irgendwelche nationalen Feiertage anstehen und wie wir nun wissen, feiern die auch wohl alle. 🙂

Da es wirklich absolut keine Möglichkeit mehr gab, eine Unterkunft zu buchen, sind wir erst einmal etwas essen gegangen. So eine Hotelsuche kann ganz schön anstrengend sein sage ich euch. 🙂 Um ehrlich zu sein, wollten wir uns einfach nochmal in Ruhe ĂŒber die momentane Situation klar werden und zumindest unseren Hunger befriedigen. Letzen Endes haben wir den Entschluss gefasst im Auto zu nĂ€chtigen, an geeigneter Stelle natĂŒrlich. Heißt so viel wie nicht zu abgelegen, aber auch nicht direkt an der Straße. Es soll ja etwas dunkel sein und auch nicht zu laut. GlĂŒcklicherweise sind die Vordersitze im Mazda bis fast ins Waagrechte verstellbar. Wieder einmal stellt sich der Mazda 3 als treuer WeggefĂ€hrte heraus.

 

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